Schwerin. Die Stadt, die sich seit Jahrzehnten als kulturelles Zentrum Mecklenburg-Vorpommerns versteht. Zumindest in der Eigendarstellung. In der Realität sieht es bekanntlich etwas anders aus – aber dazu später.
Denn während Schwerin überlegt, ob man nicht vielleicht eventuell vielleicht im nächsten Quartal mal einen Arbeitskreis zur Förderung junger Kunst ins Leben rufen könnte, feiert Rostock bereits das 23. FiSH-Festival. Ein Filmfestival. Für junge Menschen. Mit Wettbewerb. Mit Publikum. Mit echter Beteiligung.
Die Landeshauptstadt, die bei Kultur vorbeischaut
Was in Rostock seit über zwei Jahrzehnten funktioniert – kontinuierlich, mit Wachstum, mit nordeuropäischer Ausstrahlung – davon kann Schwerin nur träumen. Das FiSH (Festival für Film und junge Medien) hat sich etabliert. Jungfilmer bis 26 können teilnehmen, die Einreichungen kommen aus ganz Nordeuropa. Musikvideo-Preise für MV-Macher. Medienkompetenz-Preise. Eine Nachwuchsregisseurin aus dem Studio am Strand, die ihren ersten Film zeigt.
In Schwerin? Da liest man auf der städtischen Webseite: „Veranstaltungen im Bereich Film und Medien werden derzeit evaluiert.“ Seit zwei Jahren. Die Evaluierung.
Ich habe in Schwerin kein einziges Festival gefunden, wo junge Filmemacher wirklich eine Bühne bekommen. Da bleibt nur Rostock oder Hamburg. – Zitat eines Schweriner Filmstudenten, der anonym bleiben wollte, weil er noch in der Stadt wohnt und Angst hat, vom Kulturamt als „illoyal“ eingestuft zu werden
Die Hängepartie um den Marstall
Schwerins jüngster kultureller Hoffnungsträger ist der Marstall. Ein potentieller neuer Konzertsaal. Oder vielleicht doch nur eine Eventlocation. Oder vielleicht ein Coworking-Space. Oder beides. Oder keins davon. Die Pläne schwelen in Gremien – ähnlich wie das Kulturhaus, das nur durch eine Familienfeier gerettet werden soll – während der NDR in Rostock bereits die dritte Mediathekspartnerschaft mit einem Jugendfilmprojekt eingeht.
Das Problem der Landeshauptstadt ist nicht fehlendes Geld. Es ist fehlender Wille, kulturelle Infrastruktur zu schaffen, die über den eigenen Tellerrand hinausreicht. Das FiSH-Festival in Rostock zieht junge Menschen aus ganz Nordeuropa an. In Schwerin inszeniert das Ballett das Petermännchen – mehr kulturelle Ambitionen als die halbe Stadtverwaltung, aber ein Vergleich mit einem nordeuropäischen Festival? Undenkbar.
Die Frage ist nicht, warum Rostock besser kann. Die Frage ist, warum Schwerin es nicht einmal versucht. – Ein Schweriner Kulturschaffender, der lieber nicht mit Namen genannt werden möchte, da er noch Fördermittel beantragen muss
Während das FiSH-Festival am 23. April in Rostock in die 23. Runde geht, bereitet Schwerins Kulturverwaltung einen Antrag vor. Für die Erstellung einer Machbarkeitsstudie zur Gründung eines Arbeitskreises für Medienkultur. Die Antwort auf ein 23-jähriges Festival in 25 Worten.
Foto: Inga Seliverstova / Pexels (CC0)
Quellen: NDR 1 Radio MV
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