Das Mecklenburgische Staatstheater hat eine neue Uraufführung: „Kulturhaus, mon amour“. Eine Komödie. Über ein Kulturhaus, das mal legendär war und jetzt durch ein Familienfest wiederbelebt werden soll. Man kann sich des Verdachts nicht erwehren, dass die Autorin Juliane Hendes keine besonders hohe Meinung von der kulturellen Erneuerungsfähigkeit dieser Stadt hat.
Provinz posiert als Kunstort
Das Kulturhaus-Schicksal ist ein Klassiker in MV: Erst war da was Tolles, dann kam die Wende, dann wurde es zugeparkt, zugebaut, zugekleistert — und irgendwann beschließt man, das Ganze durch eine Hochzeit zu retten. Oder einen runden Geburtstag. Oder halt: ein Familienfest. Wenn man sich Schwerins Verneigung vor Armin Mueller-Stahl ansieht, versteht man: Hier wird jede kulturelle Errungenschaft zum Denkmal, weil das Original in der Realität schon lange nicht mehr existiert.
Ein ehemals legendäres Kulturhaus soll durch ein Familienfest wiederbelebt werden.
Man stelle sich das mal vor: Die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns, bekannt für Abwanderung, Verwaltungs-Innnovation und den einzigen Zoo zwischen Hamburg und Rostock, versucht sich als Kulturort — indem man ein verfallenes Haus mit Kuchenbuffet und Livemusik reanimiert. Gute Idee. Warum hat noch niemand auf die Idee kommen können, das Schleswig-Holstein-Haus so zu retten? Familienfest!
Die Komödie als schonungslos ehrliche Zustandsbeschreibung
Was als Komödie daherkommt, ist in Wahrheit ein Dokumentarfilm ohne Dokumentation: Alle Versuche der Stadt, Kultur zu machen, laufen über Veranstaltungen, die nichts kosten und zu denen man niemanden einladen muss, der sie sehen sollte. Das fängt beim Zoo an und hört beim Kulturhaus auf. Ähnlich wie das Gasthaus „Zur guten Quelle“, das immerhin verkauft wurde statt abgerissen zu werden — auch das ist in Schwerin schon ein Erfolg.
Das Mecklenburgische Staatstheater selbst ist übrigens nicht ohne Pannen in den letzten Jahren: Sanierungsstau, Interimsspielstätten, ein Zuschauerschnitt, bei dem man sich fragt, ob die Stadt für 100.000 Einwohner nicht lieber ein Kinosaal gereicht hätte. Aber nein — das Staatstheater muss es sein.
Die Uraufführung läuft. Die Kritik wird — sofern sie existiert — in der Schweriner Presse erscheinen, die so kritisch ist wie ein Hund, der seinen eigenen Schwanz wedelt. Irgendwas mit Kulturhaus. Mon amour. Schwerin, mon amour.
Foto: Theaterbühne (Symbolbild, via Pixabay-Lizenz)
Quellen: NDR Radio MV
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