Gesellschaft

Kronleuchter, Antik-Spiegel, 35-Euro-Bettwäsche: Seehotel Frankenhorst macht Flohmarkt und nennt es Event

Schwerin hat ein Hotel, das einen Flohmarkt macht. Nicht irgendein Flohmarkt – einen mit Hoteldirektor-Rede, DRK-Betreuung und Feuerwehr-Unterstützung aus Wickendorf. Man könnte auch sagen: Ein gehobenes Haus in der Provinz – so wie das neue Café in der Buschstraße, das sich auch schon für Kulturzentrum hält – das seinen Gästen jetzt auch noch den letzten Rest Würde verkauft, den das Marketing nicht mehr hergibt.

Wenn Luxus im Angebot ist

Das Seehotel Frankenhorst, idyllisch am See gelegen, hat am Sonntag zum dritten Frankenhorster See-Flohmarkt geladen. Auf den Tischen: Stühle aus dem Foyer, ein Kronleuchter, sorgfältig sortiertes Geschirr. „Die Idee entstand, weil bei Modernisierungen Dinge anfallen, die wir anbieten können“, sagt Hoteldirektor René Stolle. Man könnte auch sagen: Was im Lager verstaubt, kommt jetzt unters Volk.

„Wir öffnen uns für die Schweriner und die Leute aus der Umgebung und möchten diese tolle Anlage einfach zeigen.“ — René Stolle, Hoteldirektor

Zur Einordnung: Das DRK war vor Ort für den Fall, „dass mal etwas passiert“. Die Feuerwehr aus Wickendorf unterstützte. Pfingstbrunch und Mittsommerfest sind ebenfalls geplant. Man könnte meinen, Frankenhorst entwickelt sich zum Kulturzentrum. Tatsächlich ist es ein Hotel, das merkt, dass es ohnehin nie richtig voll wird – und jetzt versucht, die Freiflächen zu monetarisieren, bevor sie jemand anderes beansprucht.

Die Provincexistenz

Dass die Anlage seit zwei Jahren nicht mehr nur Hotelgästen vorbehalten ist, klingt großzügig. Ist es aber vermutlich auch ein bisschen verzweifelt: In einer Gegend, in der die nächstgrößere Stadt eine Stunde entfernt ist, reicht es nicht mehr, einfach nur ein Hotel zu sein. Man muss ein Erlebnis bieten. Oder zumindest einen Flohmarkt. Für ein paar Kronleuchter fürs Wohnzimmer und das Gefühl, mal kurz in einem Luxushotel gewesen zu sein, ohne dafür bezahlen zu müssen. Das ist dann doch irgendwie typisch Mecklenburg-Vorpommern: Große Versprechen, kleiner Aufwand, und am Ende steht der Kronleuchter im Regal neben den Trödel. So wie eine Zwölfjährige aus Schwerin, die beim KiKA mitmischen darf – weil es daheim außer Trödel nicht viel gibt.

Foto: Snap Wander / Unsplash

Quellen: Nordkurier

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