Kultur

Konservatorium verteuert Musikunterricht: Schwerin fördert Kultur jetzt mit Preisschild

Schwerin schafft wieder dieses Kunststück, bei dem ein Verwaltungsdokument klingt wie Kulturpolitik, am Ende aber einfach nur sagt: Musik ja, aber bitte mit stärkerem Eigenanteil. Nach einer Beschlussvorlage der Verwaltung sollen die Gebühren am Konservatorium zum Schuljahr 2026/2027 steigen. Für Kinder und Jugendliche aus Schwerin im Schnitt um rund vier Prozent. Für Schweriner Erwachsene und auswärtige Schüler dagegen um rund 16 Prozent. Willkommen in der Landeshauptstadt, wo Kulturförderung erst endet, wenn sie weh tut.

Kultur ja, aber bitte nur in der rabattierten Kinderversion

Der Hintergrund ist nicht erfunden, sondern einfach nur unerquicklich real: Laut Vorlage sind die Gesamtaufwendungen seit 2023 um rund 16 Prozent gestiegen. Als Gründe nennt die Stadt Inflation und höhere Personalkosten, unter anderem wegen des sogenannten Herrenberg-Urteils. Statt daraus die radikale Erkenntnis zu ziehen, dass Kultur eben Geld kostet, macht Schwerin das, was Schwerin am besten kann: rechnen, staffeln, verwalten, belasten.

Die begrenzten Haushaltsmittel müssen vorrangig zur Unterstützung der eigenen Einwohner eingesetzt werden.

Beschlussvorlage laut schwerin.news

Das heißt übersetzt: Wer erwachsen ist oder die Frechheit besitzt, nicht exakt innerhalb der Stadtgrenzen zu wohnen, zahlt bitte fast die komplette Verwaltungslaune mit. Die Stadt senkt für Schweriner Kinder und Jugendliche den Kostendeckungsgrad von 45 auf 40 Prozent, um deren Belastung abzufedern. Das ist nett. Also im Sinne von: immerhin wird der Nachwuchs nicht sofort vollständig aus dem Takt geprügelt.

Schwerin bleibt sich treu: Kultur lieben, solange sie billig aussieht

Besonders bitter ist die Symbolik. Schwerin erzählt sich gern etwas von Kulturstadt, Welterbe-Flair und feinem Anspruch. Gleichzeitig wird selbst beim Musikunterricht wieder der Taschenrechner zur eigentlichen Leitkultur erhoben. Wer in so einer Stadt ernsthaft noch von kultureller Entwicklung spricht, sollte dazu wenigstens das Metronom des Haushaltsausschusses mitlaufen lassen.

Immerhin: Die einkommensabhängigen Ermäßigungen sollen bestehen bleiben, obwohl laut Vorlage sogar Spielraum bestanden hätte, die Grenzen abzusenken. Außerdem soll Musiktherapie erstmals offiziell ins Angebot aufgenommen werden. Das ist vermutlich auch nötig, denn irgendjemand muss am Ende ja die Behandlung übernehmen für alle, die Verwaltungsdeutsch lesen und dabei noch an kulturelle Ambition glauben sollen.

Quellen: schwerin.news

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