Gesellschaft

Karfreitag wird Carfriday: MV-Innenminister erklärt Schwerins Straßen zur Tuning-freien Zone

Schwerin – Während der Rest der christlichen Welt am Karfreitag der Kreuzigung gedenkt, hat sich in der Tuning-Szene ein ganz eigener Feiertag etabliert: der sogenannte „Carfriday“. Ein Tag, an dem tiefergelegte Golfs, breitbereifte BMWs und Auspuffanlagen mit dem Dezibelpegel einer startenden Concorde durch deutsche Innenstädte rollen. Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Christian Pegel hat nun eine klare Ansage gemacht: Null Toleranz.

206 Straftaten im Vorjahr — und das nur die erwischten

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 206 Straftaten im Zusammenhang mit dem Carfriday wurden 2025 in MV registriert, dazu 27 Verkehrsunfälle und 18 verletzte Personen. Das klingt nach einer gemütlichen Bilanz für eine Landeshauptstadt, die es normalerweise nicht mal in die überregionalen Nachrichten schafft, wenn ein Baum umfällt.

„Illegale Rennen sind kein Spaß, sondern eine ernste Gefahr für alle Verkehrsteilnehmer“ — Innenminister Christian Pegel, vermutlich ohne jede Ironie

Pegel kündigt landesweite Schwerpunktkontrollen an. Im Fokus: illegale Autorennen, technische Manipulationen und das sogenannte „Posing“ — also das demonstrative Langsam-Cruisen mit Blickkontakt zu imaginären Zuschauern. Dass es in Schwerin am Karfreitag überhaupt genug Straßen gibt, die nicht gerade aufgerissen sind, um darauf zu posieren, grenzt bereits an ein Osterwunder.

Posing-Verbot: Schwerin hat andere Probleme

Seit 2017 sind illegale Straßenrennen offiziell Straftaten — auch für Einzelpersonen, die sich „wie bei einem Rennen verhalten“. In einer Stadt, in der man an einem Dienstagabend allein auf dem Bahnübergang bei Lübstorf mehr Verkehrsteilnehmer trifft als auf der gesamten Wismarischen Straße, hat das eine gewisse Komik.

„Genießen Sie den Frühling auf legale Weise“, appelliert der Minister an die Szene. Was in Schwerin konkret bedeutet: einen Kaffee am Pfaffenteich trinken und dabei zusehen, wie die Straßenbahn aus dem Jahr 2003 gemächlich an einem vorbeirumpelt. Tuning wäre bei dem Tempo ohnehin verschwendet.

„Ich cruise seit drei Jahren jeden Freitag durch Schwerin. Bisher hat mich niemand kontrolliert — wahrscheinlich weil niemand da war.“ — Marco (26), Hobby-Tuner aus Lankow

Die ehrliche Wahrheit: Der Carfriday in Schwerin dürfte sich in Grenzen halten. Wer wirklich posieren will, fährt nach Rostock oder Hamburg. In der Landeshauptstadt fehlt schlicht das Publikum. Aber die Polizei kontrolliert trotzdem — man will schließlich die Statistik pflegen. Und vielleicht erwischt man ja jemanden, dessen TÜV abgelaufen ist. Das wäre dann kein Carfriday, sondern einfach Alltag in MV.

Quellen: SN Aktuell

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