Schwerin hat heute circa 78.000 Wahlberechtigte zur Stichwahl aufgerufen. Die Kandidat:innen heißen Sebastian Ehlers (CDU) und Mandy Pfeifer (SPD). Wer auch immer gewinnt — er oder sie erbt ein Desaster.
Im ersten Wahlgang vor zwei Wochen holte Ehlers 34,2 Prozent, Pfeifer 27,9 Prozent. Das bedeutet: Mehr als 60 Prozent der Schweriner:innen sagten damals bereits „Nein, danke“ zu beiden Kandidat:innen. Und nun sollen sie heute entscheiden, wer das Chaos verwalten darf. Große Freude sieht anders aus.
Ein Amt, das niemand freiwillig will
Dass das Amt des Oberbürgermeisters in Schwerin kein Renner ist, bewies schon der Amtsvorgänger. Rico Badenschier (SPD) wurde 2023 mit deutlicher Mehrheit wiedergewählt — und gab das Amt nach nicht einmal einem Jahr auf. Freiwillig. Einfach so. Wer macht denn sowas? Jemand, der genau weiß, was da auf ihn zukommt.
Und was kommt auf die neue Stadtspitze zu? Eine Stadt, die laut Haushaltsplan 2025/2026 mit einem Finanzvolumen von rund 430 Millionen Euro hantiert — und dabei die schwarze Null nur als Minimalziel erreicht. Das Haushaltssicherungskonzept, das die Entschuldung bis 2029 sicherstellen soll, wird deutlich verfehlt. Die Kassenkredite lagen 2023 noch bei knapp 90 Millionen Euro. Es fehlt an einer leistungsfähigen Wirtschaft. Und das Verhältnis zwischen Stadtvertretung und Verwaltungsspitze war derart zerrüttet, dass der Vorgänger das Handtuch warf.
„Ich hätte ja auch gern weitergemacht, aber wenn du ’ne Stadt mit so ’nem Schuldenberg führst und dann auch noch die eigene Verwaltung gegen dich arbeitet — nö, danke. Ich hab mir das anders vorgestellt.“
— Namentlich nicht genannter Kommunalpolitiker, der anonym bleiben wollte, aus naheliegenden Gründen
Die freie Schülerbeförderung für Grundschüler? Fehlt im Haushalt. Rund 1,2 Millionen Euro wären nötig — Finanzdezernent Silvio Horn erklärte lapidar, man habe für diese „freiwillige Aufgabe“ keine Deckung. Hunde- und Gewerbesteuer sollen steigen, Sportstättenticket-Preise ebenfalls. Die Grundsteuer B muss angehoben werden — aber nur, um ein noch größeres Defizit zu verhindern, nicht um irgendwas zu verbessern.
Heute wählt Schwerin also. Zwischen einem Kandidaten, der 34,2 Prozent bekam, und einer, die 27,9 Prozent bekam. In einer Stadt, in der Verwaltung und Politik sich gegenseitig blockieren, die Schulden wachsen und die Wirtschaft dümpelt und die Wirtschaft dümpelt. Wer auch immer das Rennen macht: Einfach wird es nicht. Eigentlich unmöglich. Viel Glück, Schwerin. Du wirst es brauchen.
Foto: Markus Spiske / Unsplash
Quellen: NDR MV, Landeshauptstadt Schwerin
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