Henry Hübchen war mal der Liebling des NDR. Goldener-Ochse-Preisträger in Schwerin, Polizeiruf-Star, DDR-Oscar-Kandidat. Der Mann hat sich alles verdient, was man sich als Ost-Schauspieler in Deutschland verdienen kann. Und jetzt sagt er dem NDR ganz öffentlich ins Gesicht: Euer Steimle-Urteil ist eine Katastrophe.
„Gesichert unbequem“ statt „gesichert rechtsextrem“
Uwe Steimle, Hübchens Kollege aus 31 Polizeiruf-110-Folgen, wurde vom NDR als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft. Die Konsequenz: Die gemeinsamen Filme werden nicht mehr wiederholt. Keine Ausstrahlung, kein Archiv, kein NDR-Mehrteiler um 20:45. Einfach weg. Man fragt sich, wie ähnlich gelagerte Fälle in anderen Städten gehandhabt werden — etwa wenn in Schelfwerder Bäume reihenweise umfallen und die Verwaltung zusieht, bis wirklich jemand zu Schaden kommt.
Es ist eine Katastrophe, welche Etiketten ihm angehängt werden — „gesichert rechtsextrem“ zum Beispiel. Ich möchte mal wissen, mit welchen Inhalten das belegt wird. Er ist das Gegenteil, aber „gesichert unbequem”. Etikettierung statt inhaltlicher Diskurs, das ist das Übel unserer Zeit.
Hübchen, der Mann mit dem Adolf-Grimme-Preis, sagt das. In Schwerin. Beim Filmkunstfest. Vor Volkszeitung und Nordkurier. Dem NDR muss das wie ein Schlag in die Magengrube vorkommen.
Hübchen fragt sich, warum der Polizeiruf nie wiederholt wurde
Noch besser: Hübchen fragt sich öffentlich, warum die fünf Polizeiruf-Folgen aus Schwerin nie wiederholt wurden. „Ich hoffe sehr, dass das nicht mit meinem Kollegen Uwe Steimle zusammenhängt“, sagt er. Das erinnert einen an die Derby-Affäre in der Bezirksliga, wo auch jemandem übel mitgespielt wurde — nur eben auf dem fußballerischen Parkett und ohne Grimme-Preis.
Denn natürlich hängt es damit zusammen. Fünf Folgen Polizeiruf, die in und um Schwerin gedreht wurden, 2005 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet — und seit Steimles Rausschmiss aus der ARD-Welt verschwunden. Das ist nicht Vergesslichkeit. Das ist institutionelle Selbstverteidigung.
Hübchen war übrigens auch DDR-Meister im Windsurfen. Zweifacher Meister. Und dann wurde er Zehnter. „Ich verliere nicht gerne“, sagte er dem Nordkurier. Vielleicht sollte der NDR das als Warnung verstehen: Hübchen verliert nicht gerne. Und gerade hat er verloren — gegen die eigene Empörungsmaschine.
Foto: Symbolbild Filmkunstfest (via Pixabay-Lizenz)
Quellen: Nordkurier
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