Schwerin. Die „Quelle“ hat zugemacht. Nein, Quatsch, sie hat nicht zugemacht. Sie wurde verkauft. Das ist was komplett anderes. Die Gastro-Krise ist vorbei, alles gut, weiter geht’s mit dem Wirtinnen-Perspektivenwechsel im 1690er Fachwerkhaus.
Dreißig Jahre Theiner, und jetzt kommt Nicole
Kerstin und Matthias Theiner haben das Gasthaus „Zur guten Quelle“ in der Schusterstraße 12 über drei Jahrzehnte lang bewirtschaftet. Sieben Tage die Woche. Von früh bis spät. Kaffeemaschine repariert, Personalplanung gemacht, in der Küche gestanden. Matthias Theiner war schon als Kind im Haus – damals «furchtbar fand ich es, ein dunkler Raum mit Holztischen, auf denen Moos wuchs». Das Moos ist später entfernt worden, die Stammgäste sind geblieben.
Jetzt übernimmt Nicole Schladeck. Geschäftsführerin des Weinhauses Wöhler. Hat ein gutes Gefühl gehabt. Sich die Größe zugetraut. Respekt. Sie hat alle Mitarbeiter übernommen. Auch den Sohn als Köchin. Das Würzfleisch bleibt auf der Karte. Die Stammgäste können durchatmen.
»Die sagen dann, Frau Schladeck, das Würzfleisch muss unbedingt auf der Karte bleiben«
— Nicole Schladeck, neue Inhaberin
Das Haus von 1690, das eine Bankerin zum Schwarm wurde
Nicole Schladeck war Baufinanzierungsberaterin im Bankwesen. Je höher sie stieg, desto weniger hatte sie mit Menschen zu tun. Das fehlte ihr. Also stieg sie aus, zog nach Schwerin, fing im Weinhaus an. Ihr Vater ist in Havelberg aufgewachsen und hat sich als Kind die Nase an den Fensterscheiben platt gedrückt. Das ist fast schon poetisch, wenn man bedenkt, aus welcher Perspektive die Schladeck-Familie Schwerin heute begegnet.
Denn Schwerin ist eine Stadt, in der eine Gastronomin ein Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert als Grund zum Bleiben nimmt. Wo man ein Traditionslokal nicht schließt, sondern verkauft, und das als gute Nachricht verkauft bekommt. Wo 1.000 Liter Lübzer Pils pro Woche über den Tresen gehen – und das als Argument für Beständigkeit durchgeht, nicht als Symptom einer Stadt, die sich seit dreißig Jahren nicht weiterentwickelt hat. In einer Stadt, in der man im Museum das uralte Handwerk lernt, um es als Highlight zu vermarkten – in so einer Stadt ist ein Gasthaus von 1690 fast schon progressiv.
»Wir wollen viel auf Reisen gehen«, sagt Matthias Theiner. »Unser Traum war immer, mal nach Japan zu kommen.«
— Matthias Theiner, frisch gebackener Rentner
Japan. Die Reisen. Die Enkelkinder. Der wohlverdiente Ruhestand. Dreißig Jahre Theiner – und dann der Abschied in eine Zukunft ohne Schichtarbeit, ohne sieben Tage die Woche, ohne kaputte Kaffeemaschinen. Die Quelle bleibt. Die Theiners gehen. Es ist ein gutes Ende. Das ist das Schöne an Schwerin: Wenn gute Menschen gehen, sagt man einfach „weiter so“ und trinkt ein Lübzer Pils darauf.
Und die Moral von der Geschicht’: Wenn in Schwerin ein Gasthaus nicht schließt, sondern nur den Besitzer wechselt, ist das eine Nachricht wert. Zu Recht. Denn wie oft kommt es schon vor, dass hier etwas bleibt, das nicht pleitegeht, abbrennt oder von Abwanderung betroffen ist? Genau.
Gasthaus „Zur guten Quelle“, Schusterstraße 12, 19055 Schwerin. Öffnungszeiten: Unverändert. Würzfleisch: Auf der Karte. Schwerin: Immer noch da.
Foto: Anja Bölck / Nordkurier
Quellen: Nordkurier
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„1000 Liter Lübzer Bier flossen in der Woche
Die „Quelle“ ist damals ein reines Bierlokal. 1000 Liter Lübzer Pils gehen pro Woche über den Tresen. Und ein paar Bockwürste.“ Damals war 1969.
Der AUTOR ist nicht mal fähig aus der SVZ richtig abzuschreiben. Heute ist die Quelle eine Speisegaststätte und der Bierumsatz ist garantiert um 90% gesunken. Aber wenn man Schwerin hasst, schreibt man natürlich Blödsinn.