Schwerin. Die Stadt, die es nicht schafft, die eigene Friedhofsverwaltung an einem regulären Arbeitstag offen zu halten. Am 6. Mai. Ein Mittwoch. Nicht Silvester, nicht Feiertag. Ein Mittwoch.
Der Eigenbetrieb SDS – Stadtwirtschaftliche Dienstleistungen – teilt mit: Das Servicebüro am Waldfriedhof bleibt aus betrieblichen Gründen geschlossen. Das ist die Art von Formulierung, die in Beamtenkreisen als „ehrlich, aber nicht zu ehrlich“ gilt. Übersetzt heißt das: Entweder ist personell so viel los, dass man den Laden zumacht, oder man hat schlicht vergessen, jemanden hinzuschicken.
„An diesem Tag können Bürgerinnen und Bürger unter der Telefonnummer 0385 641 08 10 eine Nachricht hinterlassen oder eine E-Mail an friedhof@sds-schwerin.de schreiben. Eine Rückmeldung erfolgt dann in den darauffolgenden Tagen.“
— SDS Stadtwirtschaftliche Dienstleistungen
Die Hinterlassenschaft als Servicewüste
Man stelle sich das vor: Jemand will eine Grabstelle pflegen lassen, braucht Papiere für eine Beisetzung, hat Fragen zum Friedhofsrecht – und wird gebeten, eine Nachricht zu hinterlassen. Auf einem Anrufbeantworter. Der vielleicht, irgendwann, in den nächsten Tagen, zurückgerufen wird. Von einem Apparat, der unterbesetzt ist, weil am 6. Mai ja auch jemand fehlt.
Das ist nicht nur ein Tag geschlossen. Das ist das Symptom einer Stadt, die Verwaltung als lästige Pflichtaufgabe begreift statt als Dienstleistung. Der SDS bedankt sich artig für das Verständnis. Für welches Verständnis eigentlich? Dafür, dass man einen Bürgersteig nicht properly kehren kann? Dafür, dass der Friedhof – ein Ort, an dem Menschen ihre Toten besuchen – nach denselben Regeln verwaltet wird wie ein Schalter der agentur für arbeit?
Schwerin macht das seit Jahren so. Verwaltungsabläufe, die wie auf Verschleiß programmiert sind. Öffnungszeiten, die maximal 50% der Berufstätigen entgegenkommen. Und dann wundert man sich, warum die Stadt im Digitalisierungsranking irgendwo zwischen Mecklenburg-Strelitz und Nerdkultur liegt. Zumal die Innenstadt auch nicht gerade mit Leben sprüht.
Am 7. Mai ist die Friedhofsverwaltung dann vermutlich wieder regulär geöffnet. Bis zum nächsten betrieblichen Grund. Wenn das kein Grund zum Feiern ist.
Foto: Dietmar Rabich / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
Quellen: Stadt Schwerin
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