Kurioses

El Moe: Schwerins Antwort auf Gott

Schwerin hat ein Phänomen. Einen Mann im Elmo-Kostüm auf einer Motorrad Honda Shadow. Er fährt durch die Stadt, winkt, bringt Menschen zum Lächeln. Die Stadt ist begeistert. Das ist so süß. Das ist so herzig. Das ist so ungefährlich. Und genau deshalb ist es auch so verdammt traurig.

Provinz defined by low expectations

Man stelle sich vor: In Hamburg würde niemand eine Elmo-Figur auf einem Motorrad bemerken. In Berlin schon gar nicht. Aber Schwerin? Hier wird ein Intensivpfleger auf einem Cruiser zum Stadtgespräch. „Guck mal, der El Moe!“ – als wäre das irgendeine Form von Heldentum. Die Aufregung über ein Mann mit einem roten Kostüm sagt alles über den kulturellen Treibhauseffekt dieser Stadt.

„Wenn man dann fährt und dir überall grinsende Gesichter entgegenkommen – das macht schon was mit einem“, sagt Sascha. Dem Mann, der täglich auf der Intensivstation arbeitet und Menschenleben rettet. Sein Heldentum ist aber das Kostüm.

Lasst euch das auf der Zunge zergehen: Ein Mann, der in einer der stressigsten Branchen der Welt arbeitet, hat ein Hobby, das „Menschen ein Lächeln schenkt“. Und das ist die NEWS. Nicht die fehlende Radwege-Infrastruktur. Nicht die maroden Schulen. Nicht die Tatsache, dass Schwerin eine der höchsten Überschuldungsquoten kommunaler Haushalte hat. NEIN. Ein Mann als Elmo.

Die Stadt, die sich über Kleinklein freut

Sascha macht einen guten Job. Ohne Frage. Aber die Tatsache, dass Nordkurier und Co. das als Geschichte des Jahres behandeln, zeigt: In Schwerin ist der Lack so dünn, dass selbst ein positives Ereignis zur Dekoration einer verwalteten Stadt verkauft werden muss. Videos mit hunderttausenden Aufrufen – das klingt beeindruckend. Aber wenn das die aufregendste Geschichte des Jahres ist, dann gute Nacht.

Das erinnert an die gruselige Selbstorganisation der Stadt, wo ein Verein die Toiletten aufmachen muss, weil es die Verwaltung nicht packt. Nur dass El Moe lustiger ist als ein Klo-Verein.

Und apropos 100 Jahre Rückstand: Vor hundert Jahren hatte Schwerin einen Flughafen, der nach drei Monaten schloss. Heute wundert sich niemand mehr, warum hier nichts vorangeht.

El Moe, wir respektieren dich. Aber Schwerin, reißt euch zusammen.

Foto: Harald Hoyer / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Quellen: Nordkurier

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