Am 12. April 2026 wählt Schwerin. Nicht einmal, sondern zweimal. Und drei der sieben OB-Kandidaten kandidieren bei beiden Wahlen gleichzeitig. Willkommen in der Landeshauptstadt, in der man sich nicht entscheiden kann — nicht einmal die Kandidaten selbst.
Sebastian Ehlers (CDU), Petra Federau (AfD) und Mandy Pfeifer (SPD/Linke) — die drei Favoritinnen und Favoriten des Rennens — stehen am selben Tag sowohl auf dem Stimmzettel für die Oberbürgermeisterwahl als auch für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. Doppelt hält besser, könnte man sagen. Oder: Wer auf zwei Pferde setzt, traut keinem.
Der Wähler hat die Wahl — und die Kandidaten auch
Wie der Nordkurier berichtet, handelt es sich um eine Konstellation, die „herausfordernde Debatten“ nach sich zieht. Das ist die diplomatische Version. Die un-diplomatische Version: Drei Leute, die sich für das wichtigste Amt der Stadt bewerben, können sich offenbar selbst nicht sicher sein, ob sie es wirklich bekommen — und sichern sich deshalb vorsichtshalber einen Landtagssitz als Backup.
„Das ist, als würde man sich gleichzeitig auf eine Stelle als Geschäftsführer und als Werkstudent bewerben. Falls es mit dem Chefetagen-Job nicht klappt, hat man wenigstens das Semesterticket.“
— Fiktiver Schweriner Karriereberater
Ehlers ist seit 2016 Landtagsabgeordneter und seit 2019 Stadtpräsident. Federau sitzt seit 2021 im Landtag und seit 2014 in der Stadtvertretung. Pfeifer ist ebenfalls seit 2021 im Landtag und seit 2019 Stadtvertreterin. Alle drei haben also bereits Mandate — und bewerben sich jetzt um eines dazu. Nicht, weil sie es müssen. Sondern weil sie es können. Und weil Schwerin halt so ist.
Was passiert, wenn sie OB werden?
Die eigentliche Frage stellt sich erst danach: Was passiert mit dem Landtagssitz, wenn einer der drei tatsächlich OB wird? Antwort: Der Sitz rückt nach. Nachrücker gibt es immer. Das System ist so konzipiert, dass Doppelkandidaturen funktionieren — zumindest formal. Politisch sendet es aber ein klares Signal: Ich will OB werden, aber falls nicht, ist das auch okay. Ich hab ja noch was.
Für die Wählerinnen und Wähler bedeutet das: Wer am 12. April für Ehlers, Federau oder Pfeifer als OB stimmt, wählt gleichzeitig eine Person, die sich für den Landtag aufgestellt hat. Wer eine der drei in den Landtag schicken will, wählt möglicherweise dieselbe Person, die dann das Rathaus verlässt. Ein Verwirrspiel, das nur in Schwerin funktioniert, wo die Politik so überschaubar ist, dass man jeden dreimal wählen kann.
„In Berlin nennt man das Doppelmoral. In Schwerin nennt man das Montag.“
— Fiktiver Rentner am Pfaffenteich
Die übrigen vier Kandidaten — Massimo De Matteis (Volt), Dr. Aileen Wosniak (ASK), Lars Schubert (parteilos/FDP) und Heiko Steinmüller (parteilos) — kandidieren nur für OB. Vielleicht, weil sie sich entscheiden können. Vielleicht, weil sie wissen, dass sie eh nicht gewinnen. Vielleicht, weil zwei Wahlkämpfe gleichzeitig führen auch für erfahrene Politikerinnen und Politiker ein bisschen viel ist.
Mandy Pfeifer hat im Nordkurier-Interview jedenfalls erklärt, sie wolle „mit den Menschen im Kontakt bleiben“. Ob das bei zwei gleichzeitigen Kampagnen gelingt, darf bezweifelt werden. Aber hey — wer in Schwerin politisch aktiv ist, braucht eh ein gutes Multitasking-Talent. Sonst überlebt man die Stadtvertretung nicht.
Aber das ist natürlich nur eine Sichtweise.
Quellen: Nordkurier (31.03.2026) · KATAPULT MV (30.03.2026)
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