Das Diakoniewerk Kloster Dobbertin gibt auf. Zum 1. Mai stellt die Einrichtung ihre Altkleider-Sammlung in Schwerin ein. Der Grund: Die Menschen benutzen die Container nicht sachgemäß. Sie überfüllen sie, verunreinigen sie, behandeln sie wie den Müll. Und dann wundert sich irgendjemand, warum eine karitative Einrichtung das Handtuch wirft.
Versuche, Lösungen mit der Stadt zu finden, scheiterten
Das Diakoniewerk betreibt seit Jahren Altkleider-Container in Schwerin. Kirchliche Mildtätigkeit im Dienst der Gesellschaft, finanziert durch den Weiterverkauf gebrauchter Textilien. Menschen, die dort arbeiten, die mit dem Erlös etwas bewirken wollen. Klingt gut. Wäre gut. Wäre es, wenn die Bevölkerung nicht wörtlich und im übertragenen Sinn ihren Müll in die Spendenbereitschaft anderer kippen würde. Ähnlich wie in Schwerin-Lankow, wo eine kostenlose Naturheilpraxis für Bedürftige existiert, weil der Staat bei der Grundversorgung versagt.
Container seien oft überfüllt und verunreinigt, was zu Problemen mit den Anwohnern führe. Hinzu kommen gestiegene Kosten für Logistik, Personal und Entsorgung.
Und dann kommt der Twist, der so typisch ist für diese Stadt: Die Verhandlungen mit der Stadt Schwerin über Lösungen verliefen ergebnislos. Das Diakoniewerk gibt auf. Und wer übernimmt? Die Schweriner Abfallentsorgungs- und Straßenreinigungsgesellschaft. SAS. Der Stadtkonzern für Müll. Die bringen die Altkleider zur Müllverbrennung oder zum Gebrauchtwarenhandel — Hauptsache, der Container ist leer und die Bilanz stimmt.
Die Mülltrennung hat versagt — jetzt kommt die Müllkirche
Man könnte jetzt zynisch sein und sagen: Das ist eben der Zustand der Gesellschaft. Aber in MV, in Schwerin, hat das eine besondere Qualität. Die Menschen hier schaffen es nicht einmal, saubere Kleidung in einen markierten Container zu werfen. Für den wird dann extra ein Mitarbeiter eingestellt, der den Schaden begutachtet, die Kosten berechnet und am Ende feststellt: Es rechnet sich nicht mehr. So wie beim barrierearmen Wohnen in MV, wo 2 Millionen Euro für 4.500 Euro Maximalförderung pro Wohnung bereitstehen — und die Nachfrage trotzdem überhangig ist.
Die Diakonie hat bereits in Parchim, Lübz und Goldberg aufgegeben. Jetzt folgen Schwerin und Malchow. Die christliche Nächstenliebe, gescheitert an der Realität von überfüllten Containern und verunreinigten Textilien. Und als wäre das nicht genug: Die SAS. Der Müllmann als karitative Notlösung. Willkommen in Schwerin, wo selbst die Altkleidersammlung am Müll scheitert.
Foto: NDR (Container des Diakoniewerks Kloster Dobbertin in der Ziegelseestraße)
Quellen: NDR MV
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