Schwerin. Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern hat in ihrer Kabinettssitzung den Entwurf eines Gesetzes zur Anpassung der Besoldung und Versorgung beschlossen. Beamtengehälter steigen zum 1. April 2026 um 2,8 Prozent, mindestens aber 100 Euro. Zum 1. März 2027 folgt ein weiterer Schritt um 2 Prozent. Ein dritter um 1 Prozent. Die Landesregierung ist stolz. Zu Recht? Nun.
Die gute Nachricht zuerst: Es geht aufwärts
2,8 Prozent. Mindestens 100 Euro. Für Beamtinnen und Beamte in Mecklenburg-Vorpommern. Das ist mehr als nichts. In Zeiten, in denen der öffentliche Dienst um jeden Kopf Überstunde kämpft, ist eine Gehaltserhöhung — selbst eine kleine — ein Signal. Wenigstens versucht man, tarifgebundene und besoldungsrechtliche Entwicklungen nicht völlig aus dem Blick zu verlieren.
Das Gesetz soll noch vor der Landtagswahl im September 2026 verabschiedet werden. Die erhöhten Bezüge werden nach derzeitiger Planung bereits ab Juni 2026 ausgezahlt. Das ist, wenn man so will, ein Timing, das man durchaus hinterfragen darf. Nicht dass es etwas nützen würde — aber man darf es.
„Die Landesregierung beschließt Gesetzentwurf zur Übertragung des Tarifergebnisses auf Beamtinnen und Beamte.“ — PM der Landesregierung MV
2,8 Prozent bei 6 Prozent Inflation — ein Witz?
Rechnen wir kurz: Wenn die Inflation bei realistischen 5-6 Prozent liegt — und das tut sie für Menschen, die nicht nur Supermarktpreise betrachten, sondern auch Miete, Energie, Handwerkerrechnungen — dann sind 2,8 Prozent ein Minusgeschäft. Reale Gehaltskürzung, verpackt als „Erhöhung“. In der freien Wirtschaft würde niemand einen Arbeitgeber loben, der eine Realeinkommenskürzung als „tarifliche Anpassung“ verkauft.
Natürlich: Der Beamtenstatus bringt Sicherheit. Kein Kickertisch, keine Exit-Kultur, keine Agilität. Dafür Null Prozent Eigenbeteiligung an der Altersvorsorge und ein Job, der so aufregend ist wie die Frage, ob der Dienstweg links oder rechts am Schreibtisch vorbeiführt. Aber das ist ein anderes Thema.
Die Landesregierung beschließt das Gesetz vor der Wahl. Die Auszahlung erfolgt im Juni. Kurz bevor die Debatte über Landtag und Landeshaushalt richtig losgeht. Zufall? Nun. In Mecklenburg-Vorpommern ist man gegen solche Unterstellungen gefeit, denn hier wäre auch ein tatsächlicher Zufall kaum von Korruption zu unterscheiden.
Immerhin: Die Beamten bekommen etwas. Das muss man anerkennen. Auch wenn es weniger ist, als es aussieht.
Quellen: Regierung MV, ver.di Beamten
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