Infrastruktur

Alte Hauptpost in Schwerin: 50 Millionen, 30 Prozent Rohbau, null Termin

Der Umbau der Alten Post in Schwerin kommt nicht voran. Das historische Gebäude im Zentrum der Landeshauptstadt sollte ursprünglich Ende 2025 als Verwaltungssitz für rund 230 Mitarbeiter der Landesregierung fertig sein. Nach einem Zerwürfnis mit dem Generalplaner ist seit Juli 2025 Schluss mit Planung – zumindest mit der alten. Ein neuer Termin? Unklar. Neue Kosten? Unbezifferbar. Und der Rohbau steht bei lächerlichen 30 Prozent.

Laut Schwerin-Lokal wurde die Zusammenarbeit mit dem Generalplaner beendet, weil das Vertrauensverhältnis nachhaltig gestört gewesen sei. Der Auftragnehmer habe Leistungen verweigert oder zurückgehalten. Mängel, insbesondere bei der Tragwerksplanung, seien nicht ausreichend behoben worden. Gleichzeitig geistern materielle Forderungen zur Vertragsbeendigung durch die Akten. Heißt: Das Land und der frühere Planer streiten sich vermutlich noch monatelang, bevor überhaupt neu geplant werden kann.

30 Prozent Rohbau, 0 Prozent Klarheit

Der aktuelle Baufortschritt liest sich wie ein Zustandsbericht aus einer verwunschenen Baustelle: Rohbauarbeiten bei rund 30 Prozent, Fassadensanierung bei etwa 50 Prozent. Das klingt nach halbfertig, ist aber einer von zwei Bauabschnitten – und der zweite ist noch nicht mal angefangen. Gebäude Mecklenburgstraße 8? Planungsphase. Kein Bagger, kein Kran, kein Fortschritt. Die AfD-Fraktion im Landtag spricht von einem „Planungschaos“ mit „maximaler Unsicherheit bei minimaler Transparenz“. Das ist keine politische Übertreibung. Das ist der Zustandsbericht.

„Für die Steuerzahler in Mecklenburg-Vorpommern bedeutet das derzeit maximale Unsicherheit bei minimaler Transparenz.“

Martin Schmidt, AfD-Landtagsfraktion

Dass ein Verwaltungsbau in der Landeshauptstadt 2025 oder 2026 noch nicht mal einen belastbaren Terminplan hat, wäre in jeder anderen Stadt ein Politikum. In Schwerin ist es offenbar nur noch eine Frage der Farbe, in die man das Richtfest-Gold lackiert, wenn es irgendwann mal so weit ist. Schwerin-Lokal dokumentiert die Antworten der Landesregierung auf die Kleine Anfrage. Dort steht im Klartext: Erst nach Abschluss der Vergabeverfahren für Objekt- und Fachplanung wird der weitere Projektablauf „neu strukturiert“. Heißt: Wir wissen nicht, wann es weitergeht.

50 Millionen, ein Trümmerhaufen, keine Haftung

Ursprünglich waren 50 Millionen Euro für die Sanierung veranschlagt. Wie viel davon noch übrig ist, wie viel Mehrkosten durch die Neuvergabe entstehen, ob Schadensersatzansprüche gegen den früheren Generalplaner durchgesetzt werden können – all das lässt sich laut Landesregierung derzeit nicht beziffern. Das Land prüfe, ob Ansprüche geltend gemacht werden könnten. Eine Prüfung. Bei 50 Millionen. In einer Zeit, in der man anderswo für weniger einen Untersuchungsausschuss bekommt.

Die Stadt selber hat in den letzten Jahren reihenweise gezeigt, wie man Großprojekte mit Charme und Kontrollverlust behandelt. Die Alte Post reiht sich nahtlos ein: Kein Termin, keine Kosten, jede Menge Erklärungen. Für Schwerin als Standort ist das peinlich. Für eine Landesregierung, die das Gebäude für eigene Mitarbeiter bauen lässt, ist es schlicht inkompetent. Wenn die eigene Verwaltung nicht mal ihren eigenen Verwaltungsbau hinbekommt – wie soll dann der Rest der Stadt funktionieren?

Immerhin: Wenn das Ding irgendwann fertig ist, ziehen 230 Landesbedienstete ein. Vielleicht bringt das ja Leben in die Schweriner Innenstadt. Oder zumindest in die Hundertschaft, die dann samstags auf dem Parkplatz vor der Alten Post steht und überlegt, warum der Laden drei Jahre länger gedauert hat als versprochen.

Foto: Theodor Tietze auf Unsplash

Quellen: Schwerin-Lokal

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