Schwerin hat ein Grundstücksproblem. Schwerin hat ein Haushaltsproblem. Schwerin hat ein Parkplatzproblem. Schwerin hat ein Strukturproblem. Aber hey – Schwerin hat auch eine Vision: Eine Landesgartenschau für 83 Millionen Euro. Davon 66 Millionen allein für den Güterbahnhof, eine seit 30 Jahren verwahrloste Brache, die niemand in den Griff kriegt. Wenn das mal kein Grund zum Feiern ist.
Die Vision: Gartenschau als Stadtumbau-Türöffner
„Es geht also nicht nur um eine Gartenschau. Es geht um Stadtumbau im großen Maßstab.“ — Projektskizze Landesgartenschau 2035
Das ist die offizielle Lesart, und sie ist nicht falsch. Hinter dem Motto „Miteinander – Erbe bewahren – Wandel gestalten“ verbirgt sich ein ehrgeiziger Plan: Güterbahnhof und KIW „Vorwärts“ zu einem Kultur- und Wohnquartier entwickeln, die Schwimmende Wiese aufhübschen, den Küchengarten neu denken. Klingt gut. Klingt auch teuer. Ist es auch.
83 Millionen – für eine Stadt, die gerade pleite ist
Schwerins Haushalt ist ein Dokument chronischer Unterfinanzierung. Die Straßen bröckeln, die Kitas sind unterbesetzt, die Verwaltung kommt kaum hinterher. Und jetzt soll eine Gartenschau her, die – so die optimistischste Lesart – „über Jahre Personal, Planungskapazitäten, Fördermittel, Haushaltsmittel und politische Aufmerksamkeit binden wird“. Klingt das nach einer Stadt, die das stemmen kann? Klingt das nach einer Stadt, die das muss?
Das KIW „Vorwärts“ steht seit 1996 leer. Die denkmalgeschützte Halle, 1,4 Hektar groß, rostet vor sich hin. Diverse Reaktivierungsversuche sind gescheitert. Nun also der letzte Ausweg: Eine Gartenschau als Türöffner für Fördermittel, die man sonst nicht kriegen würde. Verständlich. Aber auch ein bisschen traurig. Schwerin bevorzugt halt die XXL-Bürgerhaus-Partys als Lösungsansatz.
Die „Grüne Acht“ – wenn das Geld reicht
Das Konzept sieht auch eine „Grüne Acht“ vor: acht Standorte im Umland, verbunden per Fahrrad. Zippendorf, Mueß, Raben Steinfeld, Bad Kleinen, Wiligrad. Schöne Idee. Kleiner Haken: Die stehen nicht in der Kostenschätzung drin. Heißt: Die 83 Millionen sind nur das Kernprojekt. Alles andere kommt obendrauf.
440.000 Besucher werden erwartet. Für eine Gartenschau. In Schwerin. In neun Jahren. Wenn der Haushalt nicht gerade ein neues Defizit produziert hat und die Bundesgartenschau nicht zufällig in Dessau-Roßlau stattfindet und dieselben Besucher abzieht. Vielzahl von Variablen, vielzahl von Risiken.
Die Stadtvertretung soll jetzt den Letter of Intent unterzeichnen. Formal ist das unverbindlich. Politisch ist es ein Dammbruch. Wer einmal anfängt, kriegt das Projekt nicht mehr weg. Und Schwerin braucht den Stadtumbau – keine Frage. Aber muss es ausgerechnet eine Gartenschau sein, die als Trojanisches Pferd herhalten muss? Währenddessen braucht Schwerin für seinen Wärmeplan noch 15 Jahre und für alles andere auch. Die Frage bleibt, bis auf Weiteres, rhetorisch.
Foto: Wolfgang Weiser / Unsplash
Quellen: schwerin.news
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