Politik

83 Millionen für 440.000 Besucher: Schwerin plant Landesgartenschau – ohne zu wissen wann und ob überhaupt

Schwerin. Die Stadt, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit betont, wie schön die Seenlage ist, wie beeindruckend das Schloss, wie lebenswert die Innenstadt – und die es gleichzeitig nicht schafft, diese Versprechen einzulösen. Aber hey: Eine neue Gartenschau muss her.

Mit dem wunderbaren Titel „Miteinander – Erbe bewahren – Wandel gestalten“ stellt die Stadt ihre Pläne für eine Landesgartenschau vor. Slogan ist Programm: Man hat sich sichtlich hingesetzt, einen Workshop mit Grafikern gemacht, und dann noch einen dazu. Herausgekommen ist ein Phrasenschatz, der so leer ist wie eine Fußgängerzone um 14 Uhr.

„Die BUGA 2009 sahen 1,87 Millionen Menschen. Davon profitiert die Stadt noch nach mehr als 15 Jahren durch die Entwicklung der seenahen Flächen.“

— Stadt Schwerin, 2026

83 Millionen. 440.000 Besucher. 2035 vielleicht.

Kalkuliert wird mit 440.000 Besuchern. Für 83 Millionen Euro. Die Bundesgartenschau 2009 – die einzige nennenswerte Großveranstaltung, die Schwerin je hingelegt hat – sah 1,87 Millionen Menschen. Damals, als die Stadt noch nicht entirely damit beschäftigt war, den Einzelhandel sterben zu lassen und die Innenstadt mit Leerständen zu pflastern.

Noch nicht einmal das Ausstellungsjahr steht fest. 2035 vielleicht, aber erstmal muss Dessau-Roßlau gefragt werden, ob die nicht zeitgleich die BUGA plant. Muss ja mal coordinert werden, das nationale Garten-Geschehen. Und dann braucht man noch eine Machbarkeitsstudie. Bis Ende des Jahres. Dann noch Haushaltsberatungen 2027/28. Und dann kann’s losgehen. Vielleicht.

Was Schwerin stattdessen braucht, ist trivial: eine funktionierende Stadtverwaltung, bezahlbarer Wohnraum, stabile Busverbindungen, eine Innenstadt, in der man eigentlich einkaufen will statt nur muss – nicht eine Fußgängerzone, die lieber wächst als lebt. Stattdessen: Gartenschau-Slogans und 17-seitige Projektskizzen. Wandel gestalten – das ist das einzige, was Schwerin seit 1990 wirklich kann. Immer derselbe.

Foto: Dietmar Rabich / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Quellen: SN-Aktuell

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