Schwerin. Die Stadt braucht eine neue Freiwillige Feuerwehr. Das hat Feuerwehrchef Stephan Jakobi jetzt offiziell verkündet. Kosten: circa 56 Millionen Euro. Plus eine weitere Wache für Wüstmark. Plus 40 neue ehrenamtliche Kameraden. Plus ein bisschen Katastrophenschutz. Und das alles, weil – ja, warum eigentlich?
Na klar: Extremwetter-Ereignisse. Und Cyberattacken.
Man höre und staune. Die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern – 96.000 Einwohner, eine der kleinsten Landeshauptstädte Deutschlands, eine Stadt, die es innerhalb von 30 Jahren nicht geschafft hat, ihren eigenen Stadtwerke-Mediapunkt zu behalten – diese Stadt also plant jetzt, 56 Millionen Euro in Feuerwehr-Infrastruktur zu stecken, weil der Feuerwehrchef offenbar Penizillin-Level bei seinen Prognosen hat.
Die neue Wache sei notwendig, um die gesetzlichen Anforderungen zur Brandbekämpfung zu erfüllen und vor allem die Bevölkerung bei größeren Katastrophen besser zu schützen.
Problematisch wird es, wenn man genauer hinschaut
Denn während Schwerin 56 Millionen für eine neue Feuerwehr locker machen will, kassiert man gleichzeitig fleißig Bußgelder: 3,4 Millionen Euro hat die Stadt im vergangenen Jahr durch Verwarn- und Bußgelder eingenommen – ein Plus von einer halben Million Euro. Das Geld, das man den Bürgern aus der Tasche zieht, will man also zum Teil wieder in Löschfahrzeuge stecken. Symmetrisch, irgendwie.
Und dann wäre da noch das Kurhaus. Der Lost Place am Pfaffenteich, den seit Jahren niemand mehr betritt, weil die Fenster erfunden aussehen und die Fassade aussieht wie ein sowjetisches Behördengebäude aus der Breschnew-Ära. Die Stadt will dort jetzt Mietwohnungen bauen. Sanierung. Geldverbrennung. Aber bitte, Schwerin hat ja 56 Millionen für die Feuerwehr übrig. Da kann man auch mal das Kurhaus warten.
Was hier passiert, ist der typisch Schweriner Trick: Man feiert eine Bedarfsplanung ab, weil das Fachausschüsse beschäftigt und die Stadtvertretung etwas zu debattieren hat. Runde Zahlen fallen dabei immer gut. 56 Millionen klingt nach Investition. Nach Zukunft. Nach: „Seht her, wir machen was.“
Nur leider: Das Land hat das Geld nicht. Und selbst wenn – die letzte Freiwillige Feuerwehr wurde 1991 gegründet. Auf dem Dreesch. Seither passierte nichts. Und jetzt, 35 Jahre später, hat man plötzlich das Gefühl, es brennt. Na dann.
Foto: NDR / Ostsee-Zeitung
Quellen: NDR MV, Ostsee-Zeitung (Kurhaus)
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