Gesellschaft

56 Millionen Euro, 40 neue Feuerwehrleute: Schwerin feiert sich fuers Brandschutz-Grundrauschen

Schwerin braucht eine sechste Freiwillige Feuerwehr. Das ist keine Pointe. Das ist eine Meldung aus dem April 2026, nach der man sich als Bürger dieser Stadt tatsachlich fragen darf, worauf man sich die letzten 35 Jahre eigentlich verlassen hat.

Gesetzlich vorgeschrieben, jahrzehntelang ignoriert

Feuerwehrchef Stephan Jakobi hat am Dienstagabend den neuen Brandschutzbedarfsplan fuer 2027 bis 2032 vorgestellt. Das Ergebnis: Schwerin braucht eine zusaetzliche Freiwillige Ortsfeuerwehr. 40 weitere Ehrenamtliche muessen her. Die Investitionskosten fuer alle baulichen Massnahmen: 56 Millionen Euro. Nur damit Schwerin die gesetzlichen Mindestanforderungen an den Brandschutz erfüllt.

Die neue Wache sei notwendig, um die gesetzlichen Anforderungen zur Brandbekaempfung zu erfuellen und vor allem die Bevölkerung bei größeren Katastrophen besser zu schuetzen. — Feuerwehrchef Stephan Jakobi

Welcher Stadtteil die neue Wache bekommt, ist laut Jakobi noch offen. Man muss es noch ermitteln. Die sechste Freiwillige Feuerwehr soll unter anderem bei Extremwetter-Ereignissen oder Cyberattacken schuetzen. Ja, Cyberattacken. Da ist es also angekommen, das digitale Desaster der Kommunen: Die Feuerwehr muss jetzt auch noch den digitalen Brandschutz organisieren, weil niemand sonst in der Verwaltung weiss, wo die Server stehen.

35 Jahre Pause seit der letzten Gruendung

Zuletzt, so erklaert der Bericht fast beilaeufig, wurde 1991 auf dem Dreesch die Freiwillige Feuerwehr Schlossgarten gegründet. Seitdem: nichts. Schwerin ist gewachsen, hat Neubaugebiete zugelassen, Dämm ausgebaut, Quartiere verdichtet – aber an den Brandschutz hat offenbar kein Mensch gedacht, jedenfalls nicht strukturell. Man war ja beschäftigt. Mit Gartenschau-Konzepten und OB-Wahlen.

56 Millionen Euro. In einer Stadt, die ihren eigenen Haushalt nicht mal strukturell ausgleichen kann. Die sich 83 Millionen fuer eine Landesgartenschau vornimmt, aber seit 35 Jahren keine neue Feuerwehr gründet, weil das ja alles immer irgendwie funktioniert hat. Vielleicht braucht man auch deswegen so viele Feuerwehrleute, die gleichzeitig Katastrophenschutz bei Unwettern und Cyberangriffen leisten: Schwerin hat in den letzten Jahrzehnten genug Feuer gelegt – nur eben an der falschen Stelle.

Foto: Augustin-Foto Jonas Augustin / Unsplash

Quellen: NDR

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