Gesellschaft

288 Schüler, null Landespreis, eine Ministerin: Schwerin feiert sich für Mittelmäßigkeit

Im Goldenen Saal des Neustädtischen Palais fand am Mittwoch die feierliche Ehrung der Landessieger statt. Bildungsministerin Simone Oldenburg war persönlich erschienen. Die Jugendlichen bekamen Urkunden. Die Fotografen waren zufrieden. Und irgendjemand wird in der Pressemitteilung geschrieben haben: „Sprachen verbinden.“

Der Landespreis wurde nicht vergeben

Der Satz steht in der offiziellen Pressemitteilung. Dort, zwischen all den Namen und Schulen. Der Landespreis, die höchste Auszeichnung des Bundeswettbewerbs Fremdsprachen in MV, wurde nicht vergeben. Nicht because es keine talentierten Schüler gäbe – die stehen alle in der Liste. Sondern weil das System so funktioniert: Man feiert sich für Durchschnitt, solange die Banner farbig genug sind.

„Sprachen verbinden. Gute Fremdsprachenkenntnisse ermöglichen die Verständigung von Menschen unterschiedlicher Kulturen und Herkunft. Das ist gerade in diesen Zeiten besonders wichtig“, sagte Bildungsministerin Simone Oldenburg.

Schön gesagt. Aber wenn der Landespreis nicht vergeben wird, dann ist das keine Begründung für eine Pressemitteilung, die mit einem Foto im Goldenen Saal protzt. Das ist eine chronische Strukturfrage. Warum kam keine Schülerin, kein Schüler auf das Niveau, das einen Landespreis rechtfertigt? Wurde gefeiert, weil die Alternative – zuzugeben, dass hier etwas schiefläuft – unbequemer wäre?

288 Talente, aber das System versagt

288 Schüler haben sich den Wettbewerben gestellt. Das ist keine kleine Zahl. Unter ihnen sind Schüler aus dem Alexander-von-Humboldt-Gymnasium Greifswald, dem Goethe-Gymnasium Schwerin, dem Gymnasium Fridericianum. Viele Namen, viele Schulen, viele Bemühungen. Und am Ende: Kein Landespreis. Stattdessen: „Landespreis wurde nicht vergeben“ – als wäre das eine Information, die man einfach so in eine Pressemitteilung schreibt, als wäre sie nicht ein Armutszeugnis.

MV ist Schlusslicht beim E-Auto-Anteil. Bildungsstandards sinken. Die Abwanderung junger Menschen hält an. Aber hey, die Bildungsministerin hat eine Rede gehalten, und die Jugendlichen haben Urkunden bekommen. Das erinnert an den Klo-Verein von Schwerin, der auch lieber eigene Strukturen schafft, statt das Grundproblem anzugehen. Oder an den Flughafen von 1926, der nach drei Monaten schloss – und dessen Geister noch heute durch MV spuken.

Foto: Jacob Padilla / Unsplash

Quellen: Regierung MV

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