Wismar. Es gibt Dinge, die kann sich nur Mecklenburg-Vorpommern leisten. Ein Buckelwal verirrt sich in der Ostsee. Das Tier strandet im Kirchsee vor der Insel Poel. Normalerweise wäre das Thema nach zwei Tagen aus den Nachrichten. Aber nicht hier. Hier braucht man: einen Mediamarkt-Gründer, eine Trabrennpferdebesitzerin, einen Umweltminister und eine komplette logistische Operation, um einen 12-Tonnen-Wal zu retten. Für eine Spezies, die in der Ostsee seit Jahrzehnten nicht mehr vorkam. Und das alles am Donnerstag um 6 Uhr.
Walter Gunz – ja, der Walter Gunz, Mitgründer von Mediamarkt, jener Kette, die in den 90ern jedem Schweriner als Synonym für Konsum auf Kredit diente – hat sich der Sache angenommen. Er finanziert das Vorhaben. Zusammen mit einer Trabrennpferdebesitzerin. Das ist nochmal eine Ebene absurder, als es klingt.
Das Konzept kann dem Tier helfen.
Sagt Umweltminister Till Backhaus. Und die Leute glauben das. Natürlich. Das Konzept kann helfen. Oder auch nicht. Aber es ist ein Konzept. Und das ist in MV schonmal mehr, als man normalerweise erwarten darf.
Die Theorie: Luftkissen, Spülen, Gleiten, Abtransport
Was genau passieren soll: Luftkissen werden um den Wal platziert. Dann wird der Sand am Kopf weggespült. Der Wal gleitet auf eine Plane, zwischen Schwimmpontons. Und dann – so die Theorie – beginnt die Reise in die Nordsee. Danach schwimmt Timmy frei. Happy End.
Praktisch könnte es so aussehen: Der Wal erstickt während der Operation. Oder er schafft es nicht bis zur Nordsee. Oder er schwimmt zurück. Oder er ist längst tot und alle retten nur noch das Wrack. Wir werden es am Donnerstag um 6 Uhr erfahren.
Die E-Mail-Adresse in der Anzeige ist übrigens eine typische MV-Kurve: info@snaktuell.de – als wäre die Rettung eines 12-Tonnen-Wals ein Info-Marketing-Event. Und das Umweltministerium gibt seine Zustimmung. Wie praktisch.
Denn während in Schwerin das Sozialgericht kollabiert und die Stadt 56 Millionen in eine Feuerwehr steckt, die niemand braucht, während im Sozialgericht 5.480 Verfahren offen sind und die Richter für 1,7 arbeiten, während also buchstäblich alles den Bach runtergeht – plant das Land eine Wal-Rettungsaktion mit zwei Millionären. Das ist nicht Tierliebe. Das ist Symbolpolitik für Fortgeschrittene.
Foto: Martin Hey / RADIO LÜBECK
Quellen: SN-Aktuell, schwerin.news (Sozialgericht)
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