Infrastruktur

10.000 Hektar Solar in MV: Das Wirtschaftsministerium feiert sich für eine Lösung, die das Problem ignoriert

Die Grenzwerte für die Bodenqualität wurden gesenkt. Künftig dürfen Ackerflächen im Durchschnitt maximal 25 Bodenpunkte aufweisen — zuvor waren es 40. Das Wirtschaftsministerium spricht von einem Schutz der Landwirtschaft.

Mecklenburg-Vorpommern hat entschieden: 10.000 Hektar Ackerland für Solar. Zehntausend Hektar. Das ist ungefähr die Fläche von 14.000 Fußballfeldern. Auf Deutsch: Man reiht Photovoltaik auf landwirtschaftlichen Böden auf, statt erst einmal zu prüfen, ob es nicht auch Dächer, Brachen oder Industrieflächen täten. Die Frage ist nur: Warum sollte man, wenn es auch einfach Ackerfläche tut?

Der Bauernverband hat recht — aber das interessiert niemanden

Der Landesbauernverband fordert seit Monaten: Nutzt eerst die versiegelten Flächen, die Industriebrachen, die Dachflächen! Konkret, pragmatisch, richtig. Das Wirtschaftsministerium unter Till Backhaus hat diese Forderung gelesen, kurz nachgedacht — und dann beschlossen, sie zu ignorieren. Lieber 10.000 Hektar Acker. Die Begründung klingt danach, als hätte jemand einen Satz aus einer Pressemitteilung genommen und dann noch ein paar Sätze drumherum geschrieben.

Ziel der Neuregelung ist es, landwirtschaftlich besonders wertvolle Flächen zu schützen. Gleichzeitig verdoppelt Mecklenburg-Vorpommern die Fläche für Photovoltaik auf ebendiesen Flächen.

Der Widerspruch lebt. In Schwerin.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Man holt Landwirte von ihren Feldern, um Solar draufzustellen. Gleichzeitig verkündet man, dass man Landwirtschaft schützen will. Das ist ungefähr so, als würde man sagen: Wir schützen die Fischbestände, indem wir die Netze verdoppeln. Nur mit mehr Bürokratie.

Die Grenzwertsenkung von 40 auf 25 Bodenpunkte klingt im ersten Moment nach einem echten Fortschritt. Wer sich auskennt, weiß: Die meisten ackerbaulich genutzten Flächen in MV liegen deutlich über 25 Punkten. Das heißt: Die Fläche, die jetzt für Solar freigegeben wird, betrifft vor allem die Böden, die ohnehin kaum jemand für die Landwirtschaft nutzt. Ein technischer Schutz. Kein inhaltlicher. Wie so oft in dieser Landespolitik.

Denn das eigentliche Problem bleibt: Die Entscheidung, Photovoltaik auf Äcker zu stellen, statt erst alleine schon versiegelte Flächen auszuschöpfen, zeigt, dass es in MV weniger um echten Klimaschutz geht als um eine grüne Fassade mit möglichst großer Hektar-Zahl. 10.000 Hektar klingt beeindruckend. Dass es versiegelte Flächen täten, die bereits asphaltiert sind — geschenkt. Hauptsache, die Zahl ist groß und die Pressemitteilung klingt gut. So wie die Umweltpolitik dieser Landesregierung generell: Viel Symbol, wenig Substanz.

Schwerin. Die Landeshauptstadt, die es schafft, selbst beim Klimaschutz provinziell zu denken.

Foto: Andreas Gücklhorn / Unsplash

Quellen: Schwerin-Lokal (SNO)

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