Gesellschaft

Zwei neue Supermärkte für Friedrichsthal — Umweltprüfung? Ach, der Boden ist doch eh schon kaputt

Friedrichsthal bekommt zwei neue großflächige Supermärkte. Der alte Aldi wird abgerissen, an seiner Stelle entstehen ein Discounter und ein zusätzlicher Supermarkt. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung? Nicht nötig, sagt die Stadt. Der Boden sei ja ohnehin schon „anthropogen beeinflusst“. Oder wie der Volksmund sagt: Kaputt ist kaputt, da kann man auch nochmal drauftreten.

Die Logik der Nachverdichtung

Die Begründung der Stadt liest sich wie ein Best-of der Verwaltungsprosa: Da das Gelände bereits versiegelt sei, werde es „nicht völlig neu in Anspruch genommen“. Das ist ungefähr so, als würde man sagen: „Die Wohnung ist eh schon verwüstet, da können wir auch noch die Wand einreißen.“ Die Umwelt in Friedrichsthal hat offenbar schon so viel mitgemacht, dass ein bisschen mehr Beton nicht mehr ins Gewicht fällt.

„Die Böden sind anthropogen beeinflusst und erfüllen derzeit keine besonders bedeutenden Funktionen für den Naturhaushalt.“ — Fachdienst Umwelt, Stadt Schwerin

Auf Deutsch: Der Boden macht eh nichts mehr. Er liegt nur rum. Da kann man auch einen Supermarkt draufstellen. So denkt man in einer Stadt, die gleichzeitig 50 Cent für öffentliche Toiletten verlangt und sich fragt, warum die Lebensqualität nicht steigt.

Weinbergschnecken haben einen Anwalt, Anwohner nicht

Immerhin: Ganz ohne Auflagen geht es nicht. Für Fledermäuse, Vögel und — man höre und staune — Weinbergschnecken gibt es Schutzmaßnahmen. Die Schnecken bekommen also einen Ausweichlebensraum, während die Anwohner schauen dürfen, ob der Lieferverkehr zweier Großmärkte tatsächlich so leise ist, wie das schalltechnische Gutachten verspricht.

Das Gebiet liegt übrigens in der Trinkwasserschutzzone III B. Die Stadt sagt: Kein Problem, Bebauung ist „grundsätzlich zulässig“. Grundsätzlich. Ein Wort, das in der Verwaltungssprache ungefähr so viel Sicherheit bietet wie „müsste eigentlich klappen“ beim Fallschirmspringen.

Bevor jetzt jemand den Bagger bestellt: Der Bebauungsplan muss noch durch die Stadtvertretung. Bei der aktuellen Geschwindigkeit der Schweriner Verwaltung kann das dauern. Vielleicht sind die Weinbergschnecken schneller.

Quellen: schwerin.news

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