Infrastruktur

Zehn Jahre Dunkelheit: Schwerin setzt Frist für Laternen — und hofft, dass diesmal jemand den Lichtschalter findet

Es gibt Dinge, die brauchen in Schwerin etwas länger. Eine Baugenehmigung. Eine funktionierende App. Und offenbar auch: Licht. Zwischen Warnitz und Friedrichsthal ist die Verbindungsstraße seit über zehn Jahren dunkel wie ein Kohlenkeller. Jetzt hat die Politik der Verwaltung eine Frist gesetzt — bis zum 1. Oktober sollen Laternen stehen. Ob das klappt? Na ja.

Zehn Jahre fordern, null Jahre liefern

Die Ortsteilvertretung Warnitz fordert die Beleuchtung seit mehr als einem Jahrzehnt. Zur Einordnung: Als die erste Anfrage gestellt wurde, war das iPhone 15 noch Science-Fiction und TikTok hieß musical.ly. Seitdem sind Regierungen gekommen und gegangen, Straßen anderswo gebaut und wieder abgerissen worden — nur in Warnitz bleibt es finster.

In der jüngsten Stadtvertretersitzung haben CDU, SPD, Die Linke und Unabhängige Bürger/FDP gemeinsam einen Antrag durchgesetzt: Bis zum 1. Oktober muss Licht an der Warnitzer Straße sein. Insektenfreundliche LED-Technik, versteht sich — man will ja nicht, dass die Motten auch noch eine Beschwerde einreichen.

„Derzeit sind beide Techniker-Stellen für die Straßenbeleuchtung unbesetzt. Die bisherigen Ausschreibungsverfahren waren leider erfolglos.“ — Vize-OB Bernd Nottebaum (CDU)

Übersetzt: Schwerin sucht Leute, die Lampen aufstellen, und findet keine. In einer Stadt, die sich gleichzeitig als Großbaustelle inszeniert. Das ist so, als würde ein Restaurant sagen: „Sorry, wir können gerade nicht kochen — der Koch ist weg, aber die Speisekarte ist fantastisch.“

Wenn vier Fraktionen die AfD überholen

Pikantes Detail: Ursprünglich hatte die AfD-Fraktion den Antrag eingebracht. Deren Forderung war allerdings vergleichsweise zahm — die Verwaltung sollte selbst einen Termin nennen. Die vier anderen Fraktionen dachten sich offenbar: Wenn schon, denn schon. Sie setzten direkt den 1. Oktober als Deadline. Politik kann manchmal überraschend entschlossen sein, wenn es um Laternen geht.

CDU-Stadtvertreter Georg Kleinfeld begründete das Ganze mit dem Wachstum der Stadtteile. „Warnitz und Friedrichsthal sind wachsende Stadtteile“, sagte er. Wachsend, aber dunkel. Wie eine Pflanze im Keller — sie streckt sich, aber sieht nicht besonders gesund aus.

Vize-OB Nottebaum signalisierte dann doch „Zustimmung“ zum Fristantrag — ohne den Hinweis auf Personalnot zu wiederholen. Vielleicht hat er in der Zwischenzeit jemanden gefunden. Oder er hofft einfach, dass bis Oktober irgendjemand eine Leiter bedienen kann.

Bis dahin bleibt die Warnitzer Straße das, was sie seit einem Jahrzehnt ist: ein Abenteuer im Dunkeln. Wer dort nachts langfährt, braucht entweder gute Scheinwerfer oder ein Nachtgerät aus dem Bundeswehr-Bestand. Beides einfacher zu bekommen als eine Straßenlaterne in Schwerin.

Quellen: Nordkurier

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