256.500 Euro. So viel kostet es, wenn das Land Mecklenburg-Vorpommern offiziell feststellen lässt, was jeder Spaziergänger am Schweriner See seit Jahren mit bloßem Auge erkennt: Schloss Raben Steinfeld ist ein Sanierungsfall. Aber hey — ohne Gutachten ist es ja nur eine Meinung. Mit Gutachten ist es eine fachliche Einschätzung.
Ein Förderbescheid für die Erkenntnis, dass es reinregnet
Innenminister Christian Pegel reiste höchstpersönlich nach Raben Steinfeld, um Landrat Stefan Sternberg den Förderbescheid zu überreichen. Insgesamt kostet der Projektabschnitt „Gutachterliche Bestandsaufnahme“ rund 285.000 Euro. Das Land übernimmt 256.500 Euro davon. Der Rest? Wird vermutlich durch ein Gutachten über die Restfinanzierung geklärt.
Was genau untersucht werden soll: Schadstoffe, Gebäudestabilität, Holzschutz, Artenschutz. Letzteres ist besonders wichtig — denn die Birken, die mittlerweile fröhlich aus den Fugen der Backsteinfassade sprießen, könnten inzwischen als schützenswerte Vegetation gelten. Dann hätte man nicht nur ein sanierungsbedürftiges Schloss, sondern auch noch ein bürokratisches Naturschutzproblem obendrauf.
„Mit ein bisschen Fegen ist es nicht getan.“
— Landrat Stefan Sternberg, der damit das Understatement des Jahres liefert
Richtig gelesen: Der Landrat sagt, dass Fegen nicht reicht. Bei einem Gebäude, durch dessen Fenster der Wind pfeift und durch dessen Dach es reinregnet. Das ist in etwa so, als würde ein Arzt bei einem Beinbruch empfehlen, vielleicht nicht nur ein Pflaster zu verwenden.
Pappmaché-Stuck: Die DIY-Variante des 19. Jahrhunderts
Besonders pikant: Erste Hinweise deuten darauf hin, dass einige Stuckelemente im Schloss nicht aus Vollgips bestehen, sondern möglicherweise aus Pappmaché — wie es auch im Schloss Ludwigslust entdeckt wurde. Die Adligen von damals haben also schon vor 200 Jahren verstanden, was heute jeder Berliner Startup-Gründer predigt: Fake it till you make it.
Die DDR-Garagen und das alte Lehrlingswohnheim nebenan mussten übrigens bereits abgerissen werden. Keine gültige Statik, hohe Schadstoffbelastung. Das Schloss selbst steht noch — was in Mecklenburg-Vorpommern mittlerweile als Qualitätsmerkmal durchgeht. Immerhin hat das Bauwerk laut Landrat Sternberg einen „direkten Bezug“ zum UNESCO-Weltkulturerbe Schweriner Schloss. Und wenn ein Schloss neben einem UNESCO-Schloss steht, dann muss es natürlich gerettet werden. Logik.
In den kommenden vier Wochen stehen laut Pegel wichtige Entscheidungen an. Was danach passiert? Vermutlich weitere Gutachten. Über die Ergebnisse der Gutachten. Und dann ein Bau-Turbo mit Handbremse. Willkommen in MV.
Quellen: Nordkurier
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