Gesellschaft

„Vielleicht mal Ansprüche runterschrauben“ – Schwerin hat endlich den Slogan, den es verdient

Schwerin hat einen neuen Slogan. Er kommt nicht von einer Werbeagentur, nicht vom Stadtmarketing und schon gar nicht aus einem Kreativworkshop mit Post-its und Hafermilch. Er kommt von TikTok. Von einem User namens Savantico. Und er ist besser als alles, was diese Stadt in den letzten 30 Jahren produziert hat.

„Vielleicht mal Ansprüche runterschrauben.“

Der vollständige Kommentar lautet: „Schwerin ist nicht tot. Schwerin hat genug zu bieten. Vielleicht mal Ansprüche runterschrauben. Schwerin ist nicht Berlin oder Hamburg.“

Und damit hat Savantico in vier Sätzen mehr über Schwerin gesagt als jede Imagekampagne seit der Wende.

Der Verteidiger, der den letzten Nagel reinhaut

Das Schöne an diesem Kommentar ist ja: Er ist als Verteidigung gemeint. Savantico mag Schwerin. Savantico findet, Schwerin hat genug zu bieten. Savantico will Schwerin gegen die Hater beschützen. Und dann haut er einfach raus: „Vielleicht mal Ansprüche runterschrauben.“

Es gibt Momente, in denen die Verteidigung mehr Schaden anrichtet als der Angriff. Das hier ist so ein Moment. Wenn das beste Argument für deine Stadt ist, dass man halt nicht so viel erwarten darf – dann ist das kein Argument. Das ist eine Kapitulationserklärung in Jogginghose.

Schwerin ist nicht Berlin oder Hamburg

Korrekt. Schwerin ist auch nicht Rostock, nicht Lübeck und an manchen Tagen nicht mal Schwerin. Aber dass ein Mensch ernsthaft als Verteidigung anführt, man solle doch bitte die Erwartungen senken – das ist so schwerinerisch, dass es fast schon wieder Kunst ist.

Andere Städte werben mit „Gateway to Europe“ oder „The place to be“. Schwerin? „Vielleicht mal Ansprüche runterschrauben.“ Das ist kein Slogan. Das ist eine Lebenseinstellung. Eine ganze Generation von Schwerinern zusammengefasst in fünf Wörtern.

Das neue Ortseingangsschild

Wir fordern hiermit offiziell: Diesen Satz auf die Ortseingangsschilder. Unter das Wappen. In Frakturschrift.

SCHWERIN
Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern
Vielleicht mal Ansprüche runterschrauben.

Ehrlicher wurde diese Stadt noch nie beworben. Kein „Stadt der sieben Seen“, kein „Perle des Nordens“, kein „UNESCO-Welterbe“ – sondern die nackte Wahrheit: Komm her, aber erwarte nichts.

„Ich finde den Kommentar nicht beleidigend, sondern realistisch. Wenn man akzeptiert, dass man hier halt nicht viel bekommt, kann man in Schwerin ganz zufrieden sein. Ist doch was.“ – Thomas K. (54), Schweriner seit Geburt, plant seit 1998 nach Hamburg zu ziehen

Danke, Savantico

Im Ernst: Wir könnten nicht dankbarer sein. Jahrelang haben wir versucht, das Schwerin-Gefühl in Worte zu fassen. Die leise Resignation. Die trotzige Zufriedenheit. Das stoische Aushalten von Mittelmäßigkeit. Und dann kommt ein TikTok-Nutzer und nagelt es in einem Halbsatz.

Schwerin ist nicht tot. Schwerin hat genug zu bieten.

Vielleicht mal Ansprüche runterschrauben.

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