In Schwerin ist am Donnerstag offiziell Geschichte geschrieben worden. Oder zumindest das, was in Schwerin als Geschichte durchgeht: Eine Frau leitet jetzt das Verwaltungsgericht. Sabine Tiemann, bisher Vizepräsidentin, hat von Justizministerin Jacqueline Bernhardt die Ernennungsurkunde erhalten — passend zum Frauentagsmonat, wie die Ministerin betonte. Denn wenn nicht jetzt, wann dann.
33 Jahre Justiz — und trotzdem noch Optimismus
Tiemann ist seit 1993 im Dienst der mecklenburgischen Justiz. Sie hat Abordnungen ans Oberverwaltungsgericht überlebt, ans Justizministerium, ans Sozialgericht und wieder zurück — ein Karriereweg, den man in der freien Wirtschaft als „Abteilungshopping“ bezeichnen würde, in MV aber als „aufstrebend“ gilt.
„Sabine Tiemann ist eine Präsidentin mit Führungsqualität“, sagte Justizministerin Bernhardt bei der Urkundenübergabe. Was die bisherigen Präsidenten hatten, ließ sie diplomatisch offen.
Ihr Vorgänger Dr. Joachim Kronisch wurde für seine „geleistete Arbeit“ gedankt. Er habe das Verwaltungsgericht „für die Zukunft bestens aufgestellt“. Eine Formulierung, die in der politischen Kommunikation ungefähr so viel Substanz hat wie „wir müssen reden“ in einer Beziehung.
Die Herausforderungen bleiben hoch — die Decke aber auch
Tatsächlich steht Tiemann vor echten Aufgaben: Das Verwaltungsgericht Schwerin ist chronisch überlastet. Asylverfahren, Baugenehmigungen, Streitigkeiten zwischen Bürgern und Behörden — der Aktenberg wächst schneller als die Einwohnerzahl der Stadt schrumpft. Und das will in Schwerin was heißen.
Dass die Justiz in MV weiblicher wird, ist dabei tatsächlich bemerkenswert. Noch vor zehn Jahren waren die Führungspositionen der Gerichte so männerdominiert wie ein Grillabend bei der Freiwilligen Feuerwehr. Jetzt gibt es immerhin eine Präsidentin — auch wenn es bis 2026 gedauert hat.
Die Mitarbeiter des Verwaltungsgerichts sollen die neue Chefin am Freitag mit Sekt empfangen haben. Ob das ein Zeichen der Freude oder der Erleichterung war, ist unklar. Vermutlich beides.
Schwerin hat jetzt also eine Gerichtspräsidentin. Und die Stadt, die zum Frauentag vier Stunden brauchte um zu merken, dass Feiertag ist, darf sich endlich progressiv fühlen. Zumindest bis zum nächsten Richterhammer-Schlag.
Quellen: Landesregierung MV
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