Es ist 7:15 Uhr morgens am Weststadt-Campus in Schwerin. Was folgt, ist ein Schauspiel, das jeden Verkehrsplaner in die Knie zwingen würde — wenn Schwerin Verkehrsplaner hätte, die um diese Uhrzeit schon wach sind.
Eltern-Taxis, Busse und Fahrräder: Der tägliche Nahkampf
Jeden Morgen kollidieren am Weststadt-Campus mehrere Realitäten gleichzeitig: Schulbusse, die Massen an Kindern ausspucken. Eltern in SUVs, die ihre Kinder bis auf den Pausenhof chauffieren würden, wenn es ginge. Fahrradfahrer, die sich zwischen den Stoßstangen durchschlängeln. Und Fußgänger, die ihr Leben riskieren, weil sie den Fehler gemacht haben, zu Fuß zur Schule zu gehen.
Am Mittwoch trafen sich Vertreter aus Politik, Schule und Verwaltung vor Ort — um 7:15 Uhr, wohlgemerkt. Dass Politiker freiwillig so früh aufstehen, zeigt: Das Problem ist real. Die Lösung allerdings blieb erwartungsgemäß im Bett.
„Das ist ein vielschichtiges Problem. Zunächst müssen wir den Nahverkehr so aufstellen, dass diese Massen an Kindern gut hier ankommen.“ — Mandy Pfeifer, SPD-Stadtfraktion
Ein vielschichtiges Problem. In Schwerin bedeutet das erfahrungsgemäß: Es passiert erst mal gar nichts, aber auf sehr differenzierte Weise.
Kiss-and-Go — oder: Wie man das Chaos umbenennt
Diskutiert wurden unter anderem „Kiss-and-Go-Zonen“. Das klingt nach einer modernen Lösung, bedeutet aber nur: Eltern dürfen kurz anhalten, Kind rauswerfen, weiterfahren. Im Prinzip das, was sie jetzt schon machen — nur mit offiziellem Schild dran.
Auch gestaffelte Schulzeiten stehen im Raum. Statt dass alle Schulen gleichzeitig beginnen, könnten die Anfangszeiten entzerrt werden. Ob die Schulen das mitmachen? Darüber müssten die Schulkonferenzen entscheiden. Also: frühestens 2028, optimistisch geschätzt.
Schwerin kennt sich ja aus mit ambitionierten Nahverkehrsprojekten. Das Land zahlt Millionen für einen Früh-ICE, aber am Schulcampus kommen die Kinder nicht mal über die Straße. Prioritäten.
Die Hoffnung heißt: Irgendwann sind weniger Schüler da
Stadtpräsident Sebastian Ehlers brachte dann noch einen besonders eleganten Lösungsansatz ins Spiel: Die Friedensschule sei derzeit nur vorübergehend am Campus untergebracht. Wenn die irgendwann umzieht, gäbe es weniger Schüler, also weniger Chaos. Problem solved — man muss nur lang genug warten.
Das ist ungefähr so, als würde man bei einer Bildungskrise darauf hoffen, dass irgendwann weniger Kinder geboren werden. Ach warte, in MV passiert das ja tatsächlich.
Bis dahin gilt am Weststadt-Campus: Jeden Morgen Thunderdome. Möge der Stärkere den Parkplatz kriegen.
Quellen: Schwerin Lokal
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