Schwerin hat einen neuen Übernachtungsrekord aufgestellt. 443.245 Übernachtungen im Jahr 2025, mehr als zur Bundesgartenschau 2009. Besucher geben jährlich über 320 Millionen Euro in der Landeshauptstadt aus. Das klingt nach einer Erfolgsgeschichte. Ist es auch. Nur dass der Erfolg gerade an der Bettenkapazität scheitert, die Bahn nicht fährt und der Wirtschaftsdezernent sich darüber freut, dass ein neues Hotel erst 2027 fertig wird.
Rekord dank Welterbe: Schwerin kann Tourismus, aber nicht Infrastruktur
236.399 Gästeankünfte, 443.245 Übernachtungen. Ein Plus von 3,6 Prozent. Die Landeshauptstadt hat damit erstmals die magische Marke der BUGA 2009 geknackt, als halb Deutschland nach Schwerin kam, um Blumen anzustarren. 16 Jahre hat es gedauert, um diesen Rekord zu brechen. In anderen Städten baut man in der Zeit eine neue Messe. In Schwerin feiert man, dass die alten Betten endlich wieder voll sind.
Die amtliche Statistik zählt dabei nur Betriebe mit mindestens 10 Schlafgelegenheiten. Dazu kommen noch 158 weitere Ferienunterkünfte, die unter dem Radar fliegen. Schwerin hat also vermutlich noch mehr Touristen, als es selbst weiß. Typisch Landeshauptstadt: Nicht mal die eigene Beliebtheit im Griff.
„Wir können unser Potential gar nicht voll ausschöpfen, weil die Hotel-Kapazitäten begrenzt sind.“ — Wirtschaftsdezernent Bernd Nottebaum, der das Problem als Kompliment verkauft.
320 Millionen Euro Umsatz, 3.178 Betten und eine kaputte Bahnstrecke
Tages- und Übernachtungsgäste haben 2022 insgesamt 321,8 Millionen Euro in Schwerin ausgegeben. Das meiste davon, 264 Millionen, entfällt auf Tagesgäste. Zum Vergleich: Der gesamte Finanzhaushalt der Landeshauptstadt lag bei 357 Millionen. Die Touristen finanzieren also fast die ganze Stadt, dürfen aber abends in keinem Restaurant mehr einkehren, weil ab 20 Uhr hier die Bürgersteige hochgeklappt werden.
Die Kapazitäten: 44 Beherbergungsbetriebe, 3.178 Betten. Davon 2.360 in Hotels, der Rest auf Campingplätzen und in Ferienwohnungen. Seit der BUGA sind gerade mal 317 Betten dazugekommen. In 16 Jahren. Das ist weniger als ein Bett pro Monat. Immerhin plant die WGS 215 Millionen für Neu Zippendorf, aber ob Touristen nach Neu Zippendorf wollen, ist eine andere Frage.
„Gerade in den Sommermonaten gibt es deutlich mehr Nachfrage nach Übernachtungen als Betten verfügbar sind.“ — Also: Wer im August nach Schwerin will, sollte ein Zelt mitbringen. Oder gleich in Wismar schlafen.
Die Lösung: Ein zweites B&B-Hotel mit 130 Zimmern am Slüterufer, Spatenstich gerade erfolgt, fertig 2027. Bis dahin heißt es: Welterbetitel ja, Bett nein. Aber Wirtschaftsdezernent Nottebaum ist optimistisch. Er ist immer optimistisch. Das ist sein Job.
Und dann ist da noch die Deutsche Bahn, die gerade die Strecke Hamburg-Berlin umgräbt und Schwerin damit vom Rest der Zivilisation abschneidet. „Wir rechnen in der ersten Jahreshälfte mit einer eher verhaltenen Entwicklung“, sagt Stadtmarketing-Chefin Martina Müller. Übersetzt: Die Touristen würden ja kommen, wenn sie könnten. Können sie aber nicht. Weil der ÖPNV in Schwerin sowieso ein Abenteuer ist und die Bahn jetzt auch noch ausfällt.
Rekord hin oder her: Schwerin hat es geschafft, gleichzeitig beliebter und unerreichbarer zu werden. Das muss man erst mal hinkriegen.
Quellen: Stadt Schwerin
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