OB-Wahl 2026

SVZ-Wahlforum: Sieben Kandidaten sind sich in einem Punkt einig — und es ist ausgerechnet die Ruine

Es geschah am Donnerstagabend im Wichernsaal. 200 Schweriner, sieben Kandidaten, ein Moderatorenteam der SVZ und eine Frage, die normalerweise in dieser Stadt mindestens drei Ausschusssitzungen, eine interfraktionelle Arbeitsgruppe und ein 800-Seiten-Gutachten braucht: Wer soll hier eigentlich Chef werden?

Das SVZ-Wahlforum zur OB-Wahl am 12. April war seit Tagen ausgebucht. Wer keinen der 200 Plätze ergattert hatte, konnte per Livestream zuschauen. Und wer sich fragt, warum plötzlich so viel Interesse an Schweriner Kommunalpolitik besteht: Vielleicht liegt es daran, dass die Stadt seit dem 1. Januar 2026 von einem Interims-OB verwaltet wird. Die Landeshauptstadt Deutschlands, die keine Großstadt ist, hatte sich zwischenzeitlich auch noch das Privileg gegönnt, keine reguläre Führung zu haben.

Sieben Kandidaten, ein Losverfahren und ein halber Holländer

Das Besondere am Format: Die Themen wurden zugelost. Das klingt nach Tombola beim Schützenfest, hatte aber einen echten Effekt. Denn plötzlich musste Sebastian Ehlers (CDU) zur Lenin-Statue auf dem Dreesch Stellung nehmen, während Petra Federau (AfD) ausgerechnet die These zur Arbeitspflicht für Bürgergeldempfänger und Asylbewerber zog. Man könnte sagen: Das Glück war an diesem Abend exakt so subtil wie ein Auffahrunfall auf der Hamburger Allee.

Ehlers sprach sich gegen den Denkmalschutz für Lenin aus. Viele Menschen hätten negative Erfahrungen mit dem kommunistischen Regime gemacht, so der Stadtpräsident. Was er nicht sagte: Dass die Statue seit Jahrzehnten unbeanstandet dort steht und vermutlich mehr Touristen anzieht als das Stadtmarketing.

Federau kündigte weitere AfD-Initiativen zur gemeinnützigen Arbeitspflicht an und erntete Widerspruch bei fast allen Mitbewerbern. Immerhin: Konsens durch Ablehnung ist in der Schweriner Stadtvertretung auch eine Form von Einigkeit.

Für den unangefochtenen Lacher des Abends sorgte Massimo De Matteis (Volt). Auf die These, ob mehr Parkplätze in der City geschaffen werden sollten, antwortete der Volt-Kandidat knapp: Als halber Holländer könne er sich kurzfassen. Damit waren die Niederlande, das Fahrrad und das Thema Parkplätze in einem Satz erledigt. Effizienter war an diesem Abend niemand.

Wunder geschehen: Sieben Kandidaten, eine Meinung

Und dann passierte etwas, das es in der Schweriner Kommunalpolitik so selten gibt wie einen ICE-Anschluss: Alle sieben Kandidaten waren sich einig. Unisono sprachen sie sich gegen den Abriss des Strandhotels Zippendorf zugunsten einer touristischen Großanlage aus. Der Zippendorfer Strand sei für die Menschen vom Dreesch ein wichtiger Naherholungsort, betonte Mandy Pfeifer (SPD).

Sieben Kandidaten. Sieben komplett unterschiedliche Weltanschauungen. Null Dissens beim Strandhotel. In einer Stadt, die sich nicht mal auf einen Radweg einigen kann, ist das so nah an einem politischen Wunder, wie Schwerin eben kommt.

Ein Beobachter im Wichernsaal, so oder so ähnlich

Zur Erinnerung: Das Strandhotel Zippendorf steht seit über 20 Jahren leer, verfällt majestätisch vor sich hin, und für den Abriss oder Nicht-Abriss liegen mittlerweile 800 Seiten Gutachten vor. Dass sich jetzt alle einig sind, die Ruine zu behalten, überrascht nur, wer die Schweriner Entscheidungskultur nicht kennt. Nichts tun war hier schon immer die populärste Option.

Die Schlussrunde: Jeder hat Prioritäten, keiner hat Geld

In der Schlussrunde durfte jeder seine wichtigste Priorität nennen. Federau will alle Ausgaben prüfen und einen Aufnahmestopp bei Asylbewerbern. Ehlers sieht Potenziale bei Welterbe und Landesgartenschau 2035. Pfeifer will eine bürgerfreundlichere Verwaltung. De Matteis setzt auf Digitalisierung. Schubert will einen Wirtschaftsgipfel. Steinmüller kämpft für bezahlbaren Wohnraum. Wosniak plant eine Evaluation der Stadthaus-Arbeit.

Was niemand sagte: Woher das Geld dafür kommen soll. Aber das wäre auch unverschämt gewesen, vor der Wahl etwas Realistisches zu fordern. Immerhin ist man in Schwerin, nicht in der Schweiz.

Am 24. März folgt die nächste Runde: Der NDR-Talk im Beruflichen Bildungszentrum Technik in Lankow. Wer es bis dahin nicht aushält, kann sich den VOTO-Automaten ansehen, eine Art Wahl-O-Mat für die OB-Wahl. Bereits 2.000 Mal wurde das Tool seit dem Start am 17. März geklickt. Das sind statistisch gesehen 2,5 Prozent der Wahlberechtigten. Immerhin mehr als manche Partei bei der letzten Bundestagswahl.

Quellen: Nordkurier/SVZ, schwerin.news

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