Schwerin hat ein neues Datingformat — und nein, es ist keine weitere App, die einem verzweifelt Singles im Umkreis von 47 Kilometern anzeigt. Es ist noch radikaler: Man geht einfach gemeinsam spazieren. Draußen. Mit echten Menschen. Ohne Algorithmus.
Christina Münster: Die Frau, die Schwerin zum Laufen bringt
Die 40-jährige Schwerinerin Christina Münster hat das Konzept der „Single-Spaziergänge“ erfunden — wobei „erfunden“ übertrieben ist. Eigentlich hat sie nur erkannt, dass einsame Menschen gern einsam spazieren gehen und man das auch zusammen machen könnte. Zum ersten Termin kamen 24 Singles aus Schwerin, Pinnow, Pampow, Crivitz und Hagenow. Ein fast ausgeglichenes Verhältnis von Männern und Frauen — also quasi das Gegenteil von jeder Techno-Party in Schwerin.
„Meine Mission ist es, die Menschen in MV mit diesen Begegnungen ein wenig glücklicher zu machen.“
Keine Anmeldung, keine Kosten, keine Altersbeschränkung. Man muss nur laufen können und bereit sein, mit Fremden zu reden. Für viele Schweriner dürfte vor allem Letzteres die größere Hürde sein.
Bei Regen, Kälte und mit Gummistiefeln — die Liebe wartet nicht
Das Konzept funktioniert offenbar so gut, dass die Singles auch bei strömendem Regen erscheinen. 23 Unerschrockene stapften beim letzten Schweriner Treffen mit Regenschirm und Gummistiefeln durch die Gegend — und tanzten zwischendurch sogar Salsa. In einer Stadt, die offiziell um 20 Uhr ins Bett geht, ist das schon fast eine Revolution.
Bei klirrender Kälte führte eine Tour durch den Wismarer Tierpark — weil nichts so romantisch ist wie gemeinsames Frieren vor dem Wildschweingehege. Danach wurde eingekehrt, ein spätes Mittagessen, und plötzlich waren aus Fremden Leute, die sich gegenseitig WhatsApp-Nummern gaben.
Expansion: Ludwigslust, Waren, und bald ganz MV
Der nächste Termin steht: 29. März, 13:30 Uhr, Schloss Ludwigslust. Und zu Ostern geht es nach Waren an der Müritz — in den Nationalpark. Christina hat kurzerhand beschlossen, ihre Osterferien produktiv zu nutzen, indem sie auch dort wildfremde Singles zusammentrommelt. Die Resonanz in den Facebook-Gruppen sei „enorm“. Oder wie man in MV sagt: Mehr als fünf Leute haben reagiert.
Das Format rotiert nun monatlich zwischen verschiedenen Orten — immer am letzten Sonntag. Singles aus der jeweiligen Region arbeiten sogar Routenvorschläge zu. Man könnte fast meinen, die Leute in MV wollen sich kennenlernen. Sie wussten nur nicht, dass es so einfach sein kann: Hinkommen. Loslaufen. Quatschen.
Ob am Ende die große Liebe rauskommt? Christina sagt diplomatisch: „Auch wenn dabei nicht die große Liebe herumkommt — es gibt andere Singles wie mich, die froh über einen Kontakt am Sonntagnachmittag sind.“ In der Kulturhauptstadt der Stille ist das immerhin ein Anfang.
Quellen: Nordkurier
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