Schwerin. Das Justizministerium Mecklenburg-Vorpommern hat einen neuen Erlass vorgestellt, der das Verhältnis zwischen Staat und Straftäter grundlegend neu definiert — und zwar zugunsten des Straftäters. Der sogenannte Selbststeller-Erlass ermöglicht es Verurteilten mit Strafen unter zwei Jahren, direkt in den offenen Vollzug zu wechseln. Bedingung: Sie müssen sich freiwillig zum Haftantritt melden. Einfach so. Wie bei einem Hotelcheck-in, nur mit Gitterstäben.
Offener Vollzug für alle, die nett fragen
Die Logik dahinter ist bestechend einfach: Wer sich freiwillig stellt, hat offenbar so viel Anstand, dass man ihm gleich die Tür offen lassen kann. Dass jemand vielleicht strategisch kalkuliert, wann ein Haftantritt am besten in den Terminkalender passt — geschenkt. In MV vertraut man darauf, dass Menschen, die gerade wegen einer Straftat verurteilt wurden, schon die richtigen Entscheidungen treffen werden.
Hintergrund des Erlasses ist die chronische Überlastung der Justizvollzugsanstalten in MV. Mit 1.282 Haftplätzen und vier JVAs muss das Land haushalten. Die Lösung: Nicht etwa mehr Plätze schaffen, sondern weniger Leute reinlassen. Oder zumindest die Tür nicht ganz so fest zudrücken.
„Es geht um schnellere Resozialisierung“, heißt es aus dem Justizministerium. Übersetzt: Wer gar nicht erst richtig eingesperrt wird, muss auch nicht resozialisiert werden. Problem gelöst.
MV: Das Bundesland, in dem sogar der Knast flexibel ist
Der Erlass passt perfekt ins Bild eines Bundeslandes, das Pragmatismus zur Staatsräson erhoben hat. Schwimmbäder schließen, Schulen fusionieren, Buslinien werden eingestellt — und jetzt gibt es auch beim Strafvollzug das Flex-Modell. Andere Bundesländer bauen neue Gefängnisse. MV macht einfach die Aufnahmekriterien lockerer. Hamburg will sogar seine Bürokratie exportieren — und die Gefangenen gleich mit, weil in MV die Zellen leerer sind als die Versprechen der Landesregierung.
Aber hey — zumindest können sich die Schweriner jetzt rühmen, in einer Stadt zu leben, in der selbst der Justizvollzug serviceorientiert denkt. Offener Vollzug für Selbststeller, flexible Haftzeiten, wahrscheinlich demnächst Online-Terminbuchung. Fehlt nur noch das Bewertungsportal: „JVA Bützow — 3,5 Sterne. Essen okay, WLAN fehlt, aber der Check-in war unkompliziert.“
Quellen: Ostsee-Zeitung
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