Infrastruktur

Schwesig versenkt Zeitkapsel für Fahrradparkhaus — Schwerin vergräbt symbolisch, was es am besten kann: Geld

Während andere Städte Fahrradparkhäuser einfach bauen, braucht Schwerin dafür zehn Jahre Planung, eine Ministerpräsidentin und eine Zeitkapsel. Am Freitag wurde am Packhof feierlich der Grundstein für Schwerins allererstes Fahrradparkhaus gelegt — ein zweistöckiges Gebäude mit über 300 Stellplätzen, das bis Ende 2026 fertig sein soll. Kostenpunkt: 3,2 Millionen Euro. Für ein Fahrradparkhaus. In Schwerin.

Zeitkapsel für die Nachwelt: „Hier standen mal Autos“

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig höchstpersönlich versenkte die Zeitkapsel im Fundament. Was drin ist, wurde nicht verraten — aber wenn Schwerin konsequent wäre, läge dort ein Zettel mit der Aufschrift: „An die Finder im Jahr 2050: Wir hatten damals noch kein funktionierendes Radwegenetz, aber immerhin ein Gebäude, in dem man sein Rad abstellen konnte. Sofern man lebend dort ankam.“

Über 300 Stellplätze für Fahrräder, E-Bikes und Lastenräder — in einer Stadt, in der die meisten Radwege so beschaffen sind, dass man besser zu Fuß schiebt.

Das Projekt ist durchaus beeindruckend — auf dem Papier. Holztragwerk im Obergeschoss, Photovoltaikanlage auf dem Dach, extensive Begrünung, recyceltes Ziegelmauerwerk. Man könnte meinen, Schwerin baut hier den Louvre der Fahrradaufbewahrung. Eine befahrbare Rampe mit elf Prozent Neigung führt ins Obergeschoss — für alle, die nach dem Kampf durch den Schweriner Stadtverkehr noch Kraft in den Beinen haben.

90 Prozent Förderung — die Stadt zahlt quasi nur das Türschloss

Die gute Nachricht: Schwerin muss kaum etwas selbst bezahlen. Rund 90 Prozent der Kosten tragen Bund und Land, weitere drei Prozent die Metropolregion Hamburg. Die Stadt steuert also etwa so viel bei wie ein WG-Mitbewohner, der sich an der Gemeinschaftsküche beteiligt, indem er den Schwamm kauft. Dass Hamburg übrigens Geld nach Schwerin überweist, hat einen gewissen Charme — normalerweise fließt das Humankapital in die andere Richtung.

Betreiber wird der Nahverkehr Schwerin, der damit auch sein Fahrradverleih-Angebot ausbauen möchte. Ob es in Schwerin allerdings genug Menschen gibt, die sich freiwillig ein Leihrad nehmen, um die chronisch unterfinanzierte Radinfrastruktur zu testen, bleibt abzuwarten.

Immerhin: Es gibt eine Baustellenkamera, mit der man den Fortschritt verfolgen kann. In Schwerin, wo die Wartelisten für Kitaplätze olympische Ausmaße erreichen und die Verwaltung sich selbst digitalisieren will, ist eine Baustellenkamera tatsächlich ein Zeichen von Fortschritt. Zumindest kann man zusehen, wie das Geld verbaut wird — in Echtzeit.

Quellen: Schwerin Lokal

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