Schwerin hat einen Industriepark. Einen Technologiepark. Einen Technologie- und Gewerbepark mit zwei Bauabschnitten. Auf der Website der Stadt liest sich das beeindruckend: „Voll erschlossene Gewerbeflächen für innovative Unternehmen.“ Sechs Hektar im zweiten Bauabschnitt, bereit für die Zukunft. Man fragt sich nur: Welche Zukunft genau?
Im ersten Bauabschnitt haben sich sechs Unternehmen niedergelassen. Sechs. Auf einer Gewerbefläche, die für deutlich mehr Platz bietet. Im TGZ selbst sind aktuell 111 Unternehmen und sieben Vorgründer ansässig, mit zusammen 1.231 Arbeitsplätzen. Das klingt nach etwas. Bis man es in Relation setzt: 1.231 Jobs in einer Landeshauptstadt mit 98.308 Einwohnern. Das ist 1,25 Prozent der Bevölkerung.
Fördergeld ohne Wirkung
Der Industriepark Schwerin wirbt mit seiner „günstigen Lage zum Hamburger Hafen“. Das stimmt geografisch. Aber wenn die Lage so günstig wäre, müsste man nicht aktiv Gewerbegrundstücke verkaufen. In einem florierenden Wirtschaftsstandort verkaufen sich die Flächen von alleine. In Schwerin stehen sie seit Jahren auf der Website.
„Wir haben das modernste Gewerbegebiet, die beste Infrastruktur, und es stehen immer noch freie Grundstücke bereit.“ Auf der Website der Stadt klingt das nach Einladung. In der Realität klingt es nach Verzweiflung.
Frei nach den offiziellen Wirtschaftsseiten der Landeshauptstadt
Ein Beispiel für die Dimensionen: Ein Unternehmen investiert 33 Millionen Euro in eine Produktionsstätte im Industriepark. Sieben Millionen davon sind Fördergelder des Landes MV. Das ist ein Fördersatz von über 20 Prozent. Ohne diese Subventionen wäre das Unternehmen möglicherweise woanders hingegangen. Die Frage, die sich stellt: Wie viel Steuergeld muss eine Stadt unter 100.000 Einwohnern ausgeben, um einen einzigen Betrieb anzulocken?
Das strukturelle Problem
Technologieparks funktionieren, wenn es ein Ökosystem gibt. Eine Universität, die forscht und Absolventen liefert. Zulieferer, die sich gegenseitig stärken. Fachkräfte, die in der Region leben. Schwerin hat nichts davon. Die einzige Landeshauptstadt ohne Großstadt-Status, ohne Uni, ohne nennenswerte Forschung.
Das TGZ kooperiert mit der Hochschule Wismar und der Fachhochschule des Mittelstands in Schwerin. Letztere ist so klein, dass man sie nicht findet, wenn man nicht gezielt sucht. Die Hochschule Wismar liegt eine Stunde entfernt. Das ist keine Campusnähe, das ist Fernbeziehung.
35 Jahre TGZ, 500 Unternehmen insgesamt, 20 Prozent davon gescheitert. 2.800 Arbeitsplätze über dreieinhalb Jahrzehnte. Die Schilder an den Technologieparks sind schick. Die Broschüren sind bunt. Die Förderbescheide sind unterzeichnet. Aber die Büros? Die Büros könnten voller sein.
Aber das ist natürlich nur eine Sichtweise.
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