Berlin hat über 3.000 Start-ups. München knapp 1.500. Hamburg rund 1.000. Leipzig holt auf mit einer lebendigen Gründerszene. Und Schwerin? Schwerin hat das Technologie- und Gewerbezentrum. Seit 35 Jahren. Es ist ein Verein. Er bietet Büroflächen.
Das ist nicht böse gemeint. Das TGZ macht solide Arbeit: 500 Unternehmen haben die Zentren in Schwerin und Wismar seit der Gründung genutzt, 2.800 Arbeitsplätze wurden geschaffen. Aber das verteilt sich auf dreieinhalb Jahrzehnte. Das sind 80 Arbeitsplätze pro Jahr. In einer Landeshauptstadt. Das ist keine Start-up-Szene, das ist ein Tropfen auf einen sehr heißen Stein.
Die fehlenden Grundlagen
Eine Start-up-Szene braucht Zutaten. Universitäten, die Talente und Ideen produzieren. Schwerin hat keine. Coworking-Spaces, wo sich Gründer treffen und vernetzen können. Schwerin hatte bis vor Kurzem keinen einzigen. Inzwischen gibt es das „tisch“, ein Coworking-Café, gegründet von einer Frau, die einfach einen Ort zum Arbeiten brauchte und feststellen musste: Es gibt keinen. Und im TGZ versuchen zwei junge Gründer einen Coworking-Space aufzubauen. Das war’s.
„Venture Capital in Schwerin? Das Wort kenne ich nur aus Podcasts. Hier finanzierst du deine Firma mit dem Dispo und der Hoffnung, dass die Förderanträge durchkommen.“
So oder so ähnlich klingt Gründeralltag in der Landeshauptstadt
Risikokapital? Nicht existent. Business Angels? Wenn, dann in Hamburg. Netzwerke, Meetups, Pitch Events? Ab und zu organisiert die IHK was. Aber eine organische Szene, in der sich Gründer gegenseitig hochziehen, Ideen austauschen, Kontakte knüpfen? Das braucht eine kritische Masse. Und Schwerin hat schlicht zu wenige junge, ambitionierte Menschen, um diese Masse zu erreichen.
Der digitale Standort-Knockout
Selbst wenn jemand in Schwerin gründen wollte: Das Internet ist ein Witz. Upload-Geschwindigkeiten von 2,4 Mbit in der Weststadt. DSL-Leitungen aus den 2000ern. Wer ein SaaS-Produkt entwickeln will, braucht erst mal eine stabile Leitung. Die gibt es in Schwerin nur in Neubaugebieten, und dort will kein Gründer hin.
Der Arbeitsmarkt bietet Verwaltung und Pflege. Wer als Gründer Entwickler sucht, muss Remote einstellen. Wer Designer braucht, schaut nach Berlin. Wer einen CTO will, der nicht pendelt, kann lange suchen. Die Fachkräfte für innovative Unternehmen sind dort, wo innovative Unternehmen sind. Und das ist nicht Schwerin.
Man kann eine Start-up-Szene nicht erzwingen. Aber man kann die Bedingungen schaffen. Glasfaser, eine Hochschule, bezahlbare Büroflächen mit echtem Coworking-Charakter, Förderprogramme die nicht sechs Monate Antragsmarathon erfordern. Schwerin tut nichts davon. Und deswegen gibt es keine Szene. Und deswegen vermisst sie auch keiner.
Aber das ist natürlich nur eine Sichtweise.
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