Sechs. Sechs offizielle Hundeauslaufflächen hat die Landeshauptstadt Schwerin eingerichtet. Ordentlich beschildert, mit Tütenspender und Papierkorb. Da wurde an alles gedacht. Und jetzt die Gegenfrage: Wie viele offene Jugendclubs gibt es in einer Stadt mit 98.308 Einwohnern? Man muss schon suchen, um überhaupt welche zu finden.
Der Westclub One auf dem Großen Dreesch, ein paar Projekte freier Träger, Jumpers in Neu Zippendorf. Das war’s im Wesentlichen. In einer Stadt, in der jeder Vierte über 65 ist und das Durchschnittsalter bei 47,6 Jahren liegt, hat man offenbar entschieden, dass die wenigen verbliebenen jungen Menschen schon irgendwie klarkommen werden. Hauptsache, der Golden Retriever von Frau Müller aus Lankow hat genug Platz zum Toben.
Prioritäten einer alternden Stadt
Versteht mich nicht falsch: Hundeauslaufflächen sind sinnvoll. Aber sie sind auch ein Symptom. Schwerin investiert in das, was seine Bevölkerung braucht. Und die Bevölkerung ist alt. Also gibt es Hundewiesen statt Jugendtreffs, Seniorenbegegnungsstätten statt Skateparks, Friedhofspflege statt Freizeitangebote für Teenager.
„Ich bin 16 und hab die Wahl zwischen dem Pfaffenteich und meinem Zimmer. Am Pfaffenteich sitzen die Rentner. Also bleib ich im Zimmer.“
So oder so ähnlich dürfte es vielen Schweriner Jugendlichen gehen
Das Jugendparlament der Stadt trifft sich viermal im Jahr. Seine Beschlüsse sind „empfehlend“. Das ist politisch für: Man hört euch zu, aber es passiert nichts. Die Jugendlichen, die sich dort engagieren, machen das mit einer Mischung aus Idealismus und Resignation, die man in dieser Kombination sonst nur bei Langzeitpendlern nach Hamburg findet.
Die Rechnung ist simpel
In Schwerin leben rund 12.000 Menschen unter 18 Jahren. Die Zahl sinkt seit Jahrzehnten. Und statt gegenzusteuern, lässt man es laufen. Was macht man hier unter 30? Diese Frage beantwortet sich in Schwerin von selbst: Man geht. Nach Rostock, nach Hamburg, nach Berlin. Dorthin, wo es Räume gibt, die nicht um 17 Uhr schließen.
Potsdam, die andere kleine Landeshauptstadt, hat Dutzende Jugendfreizeiteinrichtungen, ein Jugendkulturzentrum, offene Werkstätten, Medienräume. Schwerin hat sechs Hundewiesen und ein Jugendparlament, das viermal im Jahr empfehlen darf.
Vielleicht sollte man die nächste Hundeauslauffläche einfach „Jugendclub“ nennen. Dann stimmt wenigstens die Statistik.
Aber das ist natürlich nur eine Sichtweise.
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