Kurioses

Schweriner Tourismusverband senkt offizielle Besuchsempfehlung auf 2 Stunden: „Alles darüber hinaus wäre eine Enttäuschung“

Der Schweriner Tourismusverband hat seine offizielle Besuchsempfehlung für die Landeshauptstadt von bisher „mindestens einen Tag“ auf „maximal zwei Stunden“ gesenkt. Man reagiere damit auf jahrelange Beschwerden von Gästen, die sich nach der Schlossbesichtigung fragten, was sie mit dem Rest des Tages anfangen sollen. Immerhin: Der See hat 60 Quadratkilometer — aber die nutzt bekanntlich auch niemand.

„Wir müssen ehrlich zu unseren Besuchern sein“, erklärte Tourismusdirektorin Bettina Hoffnungsschimmer bei der Vorstellung des neuen Konzepts. „Schwerin hat das Schloss. Das ist großartig, das ist wunderschön, das ist UNESCO-Welterbe-Kandidat seit gefühlt hundert Jahren. Aber danach — und das sage ich als jemand, die beruflich optimistisch sein muss — wird es dünn.“

Neuer Stadtplan enthält nur noch eine Seite

Im Rahmen der Neubewertung hat der Verband auch den offiziellen Stadtplan überarbeitet. Statt der bisherigen Faltkarte im DIN-A2-Format gibt es jetzt eine Postkarte mit drei Pfeilen: Schloss, Pfaffenteich, Autobahn. „Der alte Plan war irreführend“, räumte Hoffnungsschimmer ein. „Da waren Straßen drauf, die den Eindruck erweckten, als gäbe es dort etwas zu sehen. Das war nicht fair gegenüber den Touristen.“

„Wir empfehlen: 40 Minuten Schloss, 20 Minuten Pfaffenteich, 15 Minuten Kaffee, 10 Minuten darüber nachdenken wo alle Menschen sind, und 35 Minuten zurück zur Autobahn. Das sind exakt zwei Stunden. Perfekt getaktet.“

Bettina Hoffnungsschimmer, Tourismusdirektorin Schwerin

Die Anpassung basiert laut Verband auf einer Auswertung von 4.200 Google-Bewertungen. Die häufigsten Einträge lauteten „Schönes Schloss, aber sonst?“, „Wo sind die Leute?“ und „Gibt es hier auch Geschäfte, die nach 18 Uhr offen haben?“ — eine Frage, die sich auch die Polizei stellte, als sie eine Ausgangssperre testete und keinen Verstoß fand.. Ein Tourist aus München hinterließ die Bewertung: „Hätte jemand vorher gesagt, dass zwei Stunden reichen, hätte ich mein Hotel storniert. Drei Sterne für das Schloss, ein Stern für den Rest.“

Rostock reagiert mit Schadenfreude, Wismar mit Schweigen

In Rostock kommentierte ein Sprecher der Tourismusbehörde die Nachricht mit den Worten: „Zwei Stunden? Das ist großzügig.“ Wismar hielt sich bedeckt — dort rechne man vermutlich nach, ob die eigene Besuchsempfehlung nicht ähnlich ehrlich ausfallen müsste.

Die Stadtverwaltung Schwerin distanzierte sich unterdessen von der Empfehlung. Interims-OB Bernd Nottebaum betonte, Schwerin habe „durchaus mehr zu bieten als zwei Stunden“. Auf Nachfrage, was genau, verwies er auf den Schlosspark, die Altstadt und „das Gefühl, mal wirklich zur Ruhe zu kommen“. Tourismusdirektorin Hoffnungsschimmer konterte trocken: „Ruhe ist kein Sehenswürdigkeit. Ruhe hat man auch auf einem Parkplatz.“

Ab April soll der neue Zwei-Stunden-Plan in allen ICE-Bordzeitschriften beworben werden. Die Anzeige zeigt das Schloss, eine Uhr und den Slogan: „Schwerin. Kurz. Aber immerhin.“

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