Am Mittwoch, dem 1. April, werden Schwerins Taxifahrer auf die Straße gehen. Nicht um Fahrgäste zu befördern, sondern um zu demonstrieren. Der Grund: Die Krankenkassen weigern sich, angemessene Preise für Krankenfahrten zu zahlen. Das Timing ist so perfekt, dass man es nicht erfinden könnte — und die Kassen behaupten trotzdem, das Taxigewerbe betreibe ein „Pokerspiel“.
910 Euro im Monat — aus der Rente
Guido Sembach, Vorstandsvorsitzender des Landesverbandes für das Taxi- und Mietwagengewerbe Mecklenburg-Vorpommern, hat die Demo angekündigt. Der Verband betont ausdrücklich: Es ist kein Streik. Alle Firmen bleiben offen, befördern Fahrgäste — nur eben nicht mehr auf Transportschein. Weil es keine Vertragsgrundlage mehr gibt.
Die Zahlen sind dabei so absurd, dass sie fast nach Satire klingen: Eine Tragestuhlfahrt über 5 Kilometer kostet 95 Euro. Die Kassen zahlen davon 60. Die Differenz darf der Patient selbst tragen — aus eigener Tasche. Ein Dialysepatient, der 13 Mal im Monat zur Behandlung muss, kommt so auf 910 Euro Eigenanteil. Pro Monat. Vorstandsmitglied Maik Göricke fragt zurecht: „Herr Rebone geht davon aus, dass der Dialysepatient jeden Monat 910 Euro von seiner wahrscheinlich stattlichen Rente für diese Fahrten selbst auslegen kann?“
„Ohne vernünftige Preise fahren wir uns in den Ruin.“
Kassen spielen Schwarzer Peter — mit kranken Menschen
Was das Ganze besonders pikant macht: Die Krankenkassen versuchen, den Taxifahrern die Schuld zuzuschieben. AOK-Nordost-Bereichsleiter Tom Forbrich warnte im „Nordkurier“, das Taxigewerbe gefährde mit seinem „Pokerspiel“ die Versorgung „zum Teil lebensbedrohlich erkrankter Menschen“. Die Kassen, die zu wenig zahlen, schieben die Verantwortung auf die, die zu wenig bekommen. Das ist ungefähr so logisch wie 50 Cent Eintritt für öffentliche Toiletten verlangen und sich dann wundern, warum die Leute in den Busch gehen.
Laut dem Verband haben bisher nur rund 160 kleinere Unternehmen Einzelverträge mit den Kassen abgeschlossen — die Kassen nutzen die „Kleinteiligkeit des Gewerbes schamlos aus, um die Unternehmen gegeneinander auszuspielen“. Die vermeintliche „Einigung“ in Brandenburg? Laut Göricke ein Musterbeispiel dafür, wie Krankenkassen sich Einigung vorstellen: Druck machen, spalten, fertig.
Ab 1. April: Massive Fahrausfälle
Der Verband warnt, dass ab dem 1. April „massive Fahrausfälle“ drohen, die kein Rettungsdienst auffangen kann. Für die Patienten in Mecklenburg-Vorpommern bedeutet das: Wer zur Dialyse, Chemotherapie oder Reha muss, zahlt entweder selbst drauf oder bleibt zu Hause. In einem Bundesland, in dem der nächste Facharzt gerne mal eine Stunde entfernt ist, ist das keine Kleinigkeit.
Und ja — die Demo ist am 1. April. Die Pointe schreibt sich von selbst. Leider ist sie kein Scherz.
Quellen: Taxi Times
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