Paul Bressel hat die FDP verlassen. Ja, genau der Paul Bressel, der noch bei der Europawahl 2024 als Spitzenkandidat der Liberalen in MV antrat. Der bei der Kommunalwahl in Schwerin auf Listenplatz zwei stand. Jetzt will er für „Team Freiheit“ in den Landtag einziehen — eine Bewegung, die Thomas Kemmerich, Frauke Petry und Joana Cotar gegründet haben. Weil die FDP eben nicht mehr liberal genug ist.
Wenn Liberal nicht mehr liberal genug ist
Seine Begründung liest sich wie eine Breakup-Nachricht an eine Partei, die ihn enttäuscht hat: Eigenverantwortung vermisst er, Leistungsbereitschaft, konsequenten Individualismus. Die FDP betreibe „ideologische Abgrenzung statt Sachpolitik“. Kurzum: Die Partei, die den freien Markt erfunden haben will, ist Bressel zu wenig frei.
„Für mich war die FDP immer die Partei von Eigenverantwortung, Leistungsbereitschaft und konsequentem Individualismus — diese Grundsätze erkenne ich heute nicht mehr wieder.“ — Paul Bressel bei seinem Austritt auf dem FDP-Landesparteitag
Das Timing war bewusst gewählt: Bressel erklärte seinen Austritt direkt auf dem FDP-Landesparteitag in MV. Vor den versammelten Delegierten. Ein Teil davon klatschte tatsächlich. Landesvorsitzender René Domke kommentierte den Abgang gegenüber der Ostsee-Zeitung eher nüchtern: „Er hat aus der Partei heraus für die Schwächung der Partei gesorgt.“ Man merkt — die Liebesbeziehung war am Ende beiderseitig.
Team Freiheit: Die Anti-Partei für alle, die Parteien hassen
„Team Freiheit“ versteht sich als „Anti-Partei“. Also eine Partei, die keine Partei sein will, aber trotzdem bei Wahlen antritt. Sie setzt auf klassischen Liberalismus, weniger Staat, mehr Eigenverantwortung. Im Prinzip das FDP-Programm von 2013, nur diesmal wirklich ernst gemeint — versprochen.
Gegründet wurde der Laden von Thomas Kemmerich (ja, der Kemmerich aus Thüringen), Frauke Petry (ja, die Petry von der AfD) und Joana Cotar (ja, auch ex-AfD). Wer hier den gemeinsamen Nenner sucht: Es sind Leute, die schon mindestens eine Partei hinter sich gelassen haben. Bressel passt da perfekt rein — auch er weiß jetzt, wie ein Parteiaustrittschreiben formuliert wird.
Für die MV-Landespolitik bedeutet das: noch ein Angebot auf dem Wahlzettel. Noch eine Kleinpartei, die verspricht, alles besser zu machen. Und noch ein Politiker, der sein Heil in der nächsten Bewegung sucht. Zumindest bleibt es spannend — auch wenn die FDP in MV das gerade anders sehen dürfte.
Quellen: Schwerin-Lokal (SNO)
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