Gesellschaft

Schweriner Ex-DDR-Fabrik soll Kunstraum werden — fehlen nur noch zwei Millionen und ein Wunder

In der Schweriner Weststadt steht eine Industriebrache, die seit Jahrzehnten vor sich hin rottet. Früher wurden hier Wartburg-Autos repariert, im VEB Kraftfahrzeuginstandsetzungswerk „Vorwärts“. Heute repariert hier niemand mehr irgendwas — und genau das soll sich ändern. Aus der Ruine soll ein Schaumagazin für zeitgenössische Kunst werden. Ein Projekt, das einzigartig in Deutschland wäre. Wenn denn das Geld kommt.

Zwei Millionen Euro gesucht — Optimismus vorhanden

Kornelia von Berswordt-Wallrabe, ehemalige Direktorin des Staatlichen Museums Schwerin, treibt das Projekt seit Jahren voran. Ihr Plan: Künstlerinnen und Künstler bekommen eigene Räume, eine Art Depot und Ausstellungsraum in einem. Die Vision ist groß, das Preisschild auch — es fehlen zwei Millionen Euro.

Berswordt-Wallrabe hofft, dass noch 2026 der erste Spatenstich fällt. „Das hat derzeit ein wenig mehr mit einem Wunsch als mit der Wirklichkeit zu tun“, räumt sie ein. In Schwerin ist das allerdings ein völlig normaler Aggregatzustand.

Die Finanzierung ist eine klassische Fördermittel-Achterbahn: EU-Gelder aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung stehen im Raum. Dazu ein Denkmal-Sonderprogramm des Kulturstaatsministers. Der Haushaltsausschuss des Bundestags berät gerade darüber. Man wartet also darauf, dass Berlin Schwerin Geld gibt — ein Satz, der in MV so häufig fällt wie „der Bus kommt gleich“.

Fünf Millionen könnten verfallen

Der Clou: Es gibt bereits bewilligte Bundesmittel von knapp fünf Millionen Euro. Ohne die fehlenden zwei Millionen Ergänzung könnten die aber verfallen. Fünf Millionen Euro, einfach weg, weil zwei fehlen. Das ist ungefähr so, als würde man ein fertig gebautes Haus abreißen, weil die Klingelanlage nicht finanziert ist.

Die Kunsthistorikerin gibt sich diplomatisch kämpferisch: Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wolle sicher nicht „in die Annalen eingehen als jemand, der ausgereichte Bundesmittel mit einer vergleichsweise geringeren Summe nicht weiterverfolgen ließe“. Übersetzt: Machen Sie das jetzt nicht kaputt, Herr Minister.

Dabei hat die Industrieanlage tatsächlich architektonischen Wert. Entworfen von Hans-Rolf Heinze in den späten 1950ern, einer kurzen DDR-Phase, in der Architektur modern sein durfte, bevor der Plattenbau alles überrollte. Schwerin, das seine Kulturkrise gerade erst für beendet erklärt hat, könnte hier tatsächlich ein Highlight schaffen.

Geplant sind Schauräume für Künstler wie Günther Uecker, Inge Mahn und Endre Tót. Wenn die Fördermittel fließen. Wenn der Haushaltsausschuss zustimmt. Wenn Berlin nicht vergisst, dass es MV gibt. Also wenn alles gutgeht — und in einer Stadt, die schon beim Graben am Pfaffenteich Probleme hat, ist das keine Selbstverständlichkeit.

Quellen: NDR

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