Kultur

Schwerin zeigt „HÄNDE“ — weil Gesichter in dieser Stadt schon genug erzählen

Die MV-Fotogalerie in der Puschkinstraße wagt ab dem 29. März das Undenkbare: Eine Ausstellung, in der kein einziges Gesicht zu sehen ist. Stattdessen: Hände. Elf Fotografen haben sich zusammengetan, um ein Körperteil ins Rampenlicht zu rücken, das in Schwerin sonst vor allem für zwei Dinge bekannt ist — Winken, wenn der Bus davonfährt, und Kopfschütteln simultan begleiten.

Die Hand als „universales Zeichen“ — Schwerin als universale Projektionsfläche

Laut MV-Foto e.V. soll die Ausstellung „die Hand als universales Zeichen“ zeigen. Hände, die handeln, bevor Worte entstehen. In Schwerin ein bekanntes Phänomen: Hier wird seit Jahren gehandelt, ohne dass irgendjemand vorher darüber redet — die Stadt erfüllt schließlich alle Kriterien als Kulturhauptstadt der Stille.

„Hände erzählen von Arbeit, Erfahrung, Nähe und Verletzlichkeit.“ — MV-Foto e.V. Schwerin. In der Landeshauptstadt erzählen sie vor allem von Jahren des Wartens auf den Breitbandausbau.

Die gezeigten Fotografien reichen von „zart“ über „gezeichnet“ bis „still“. Eine Beschreibung, die auch auf den durchschnittlichen Schweriner Freitagabend zutrifft — erst zart beim Feierabendbier, dann gezeichnet nach dem dritten, dann still auf der Parkbank.

Elf Fotografen — darunter Namen wie Olaf Bellmann (kein Verwandter), Stanislaw Lifson und Maria Schütt — haben sich dem Projekt verschrieben. Dass ausgerechnet in Schwerin eine Ausstellung über Hände stattfindet, die „im Alltag oft übersehen“ werden, hat durchaus Symbolcharakter. In einer Stadt, in der auch Bronze-Statuen mit erhobenem Zeigefinger aufgestellt werden, sind Hände eben die eloquentesten Gesprächspartner.

Der Eintritt ist frei — passend für eine Stadt, in der „gratis“ das beliebteste Adjektiv nach „geschlossen“ ist. Die Galerie öffnet donnerstags bis sonntags, 15 bis 18 Uhr. Also genau in dem Zeitfenster, in dem der Rest der Puschkinstraße bereits die Rollläden runtergelassen hat.

Wer die Ausstellung verpasst: Einfach in der Schweriner Straßenbahn die Hände der Mitfahrenden studieren. Erzählt dieselbe Geschichte — nur ohne Rahmen und Vernissage-Sekt.

Quellen: schwerin.news

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