Die Stadtverwaltung hat ihren Bericht zum Umgang mit Fundtieren vorgelegt. 340 Fund- und Verwahrtiere hat das Schweriner Tierheim im vergangenen Jahr betreut. Tendenz steigend — 2023 waren es noch 320. Dazu 49 Kastrationen freilebender Katzen. Der Oberbürgermeister wurde beauftragt, das alles transparent darzulegen. Hat er gemacht. Irgendwie.
„Tierschutzgerecht entnommen“ — wenn Beamtendeutsch zur Kunstform wird
Das eigentliche Highlight des Berichts versteckt sich hinter einem Meisterwerk der Verwaltungssprache: Verletzte Wildtiere werden „in der Regel tierschutzgerecht entnommen“. Was so klingt, als würde ein freundlicher Mitarbeiter das verletzte Reh behutsam aus dem Straßengraben heben und ins Spa bringen, meint in den meisten Fällen wohl das genaue Gegenteil. Die Formulierung dürfte die tierschutzgerechte Tötung schwer verletzter Wildtiere umschreiben. Wie viele solcher Fälle es gibt? Keine Ahnung. Wird nicht erfasst.
„Tierschutzgerecht entnommen“ — der Euphemismus des Jahres. In einer Stadt, die jede Schlaglochreparatur in dreifacher Ausfertigung dokumentiert, werden Wildtier-Schicksale statistisch einfach nicht mitgezählt.
Wer in Schwerin ein verletztes Wildtier findet, betritt ein bürokratisches Labyrinth: Leitstelle anrufen, die verweist an den Tierarzt, der verweist an den Jagdpächter, der verweist an die Naturschutzbehörde. Bei streng geschützten Arten muss außerdem das Landesamt für Umwelt informiert werden. Kosten? Tragen die Helfenden selbst. Abgabestellen für hilfsbedürftige Wildtiere gibt es in ganz MV keine — stattdessen ehrenamtliche Hilfsangebote für Igel und Fledermäuse.
100.000 Euro für das Tierheim — und unendlich viel Bürokratie
Das Tierheim bekommt laut Bericht rund 100.000 Euro pro Jahr von der Stadt und darf das Gelände mietfrei nutzen. Dazu kommen bis zu 6.000 Euro für die Kastration freilebender Katzen. Bei Haustieren ohne bekannten Halter springt der Fachdienst Ordnung als Fundtierbehörde ein. Außerhalb der Dienstzeiten übernimmt das Tierheim, erreichbar über die Integrierte Leitstelle Westmecklenburg. Ein System, das auf dem Papier funktioniert — vorausgesetzt, das Tier hat die Geduld, sich an die Dienstzeiten zu halten.
Der Bericht beantwortet die Frage der Stadtvertretung pflichtgemäß. Nur die eigentlich spannende Frage — was genau passiert mit den verletzten Wildtieren, und wie viele sind es? — bleibt unbeantwortet. Aber hey, immerhin ist der Auftrag abgearbeitet. Haken dran. Schweriner Verwaltungseffizienz at its finest.
Quellen: schwerin.news
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