Die Schweriner Stadtpolitik hat einen neuen Lieblingsfeind: eine Bronzestatue. Und diesmal geht es nicht um die Frage, ob Lenin stehen bleiben darf — sondern ob er es unter Denkmalschutz tun soll. Der Hauptausschuss sagt: Auf keinen Fall. Und zwar „entschieden“.
Vom „Ja bitte“ zum „Nein danke“ in einer Sitzung
Was war passiert? Das Landesdenkmalamt hatte die Idee, Schwerins letzte öffentliche Lenin-Statue in die Denkmalliste einzutragen. Historisches Erbe, Zeitzeugnis, blablabla. Die ursprüngliche Beschlussvorlage der Stadt war eigentlich ein freundliches Nicken Richtung Landesamt: Ja, wir nehmen das zur Kenntnis, ja, wir sind dafür.
Dann kam der Hauptausschuss am 27. Januar 2026 zusammen und drehte den Laden um 180 Grad. Statt „Eintragen, bitte“ heißt es jetzt: „Widersprechen — und zwar entschieden.“ Acht Ja-Stimmen, vier dagegen. Das ist in Schweriner Verhältnissen praktisch ein Erdrutsch.
Eine Unterschutzstellung sei in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation weder angemessen noch verantwortungsvoll.
Übersetzt: Lenin ist zu emotional für Denkmalschutz. Eine Stadt, die sogar ihren Leerstand zum Welterbe erklären möchte, findet bei einer sowjetischen Bronzestatue plötzlich Prinzipien. Man muss die Prioritäten schließlich richtig setzen.
Lenin als Opfer der Schweriner Verwaltungslogik
Der eigentliche Witz ist: Die Statue steht seit 1985 am Großen Dreesch. 41 Jahre. Die Wende hat sie überlebt, den Plattenbauzusammenbruch, drei Generationen Oberbürgermeister und mindestens ein halbes Dutzend gescheiterte Sanierungsversuche im Umfeld. Und jetzt soll ausgerechnet ein Verwaltungsakt sie in den Mittelpunkt einer politischen Grundsatzdebatte rücken.
Die Stadt argumentiert: Für Opfer kommunistischer Diktaturen sei die Statue ein Symbol für Repression und Gewalt. Das stimmt. Gleichzeitig steht ein paar Kilometer weiter das Schloss, in dem früher Herzöge regiert haben — und das ist unter Denkmalschutz und sogar UNESCO-Welterbe. Aber klar, Feudalherrschaft war ja netter.
Das Beste: Am 23. März soll die Stadtvertretung final entscheiden. Bis dahin hat Schwerin also einen neuen Kulturkampf — zwischen Geschichtsaufarbeitung und Denkmalschutzrecht. Wer glaubt, dass dabei eine elegante Lösung rauskommt, hat den Schweriner Radweg-Ausbau nicht mitbekommen.
Lenin selbst hätte übrigens vermutlich gesagt: „Vertraue der Bürokratie — sie wird am Ende alles revolutionieren.“ Oder so ähnlich.
Quellen: schwerin.news
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