Politik

Schwerin verschickt OB-Wahlbenachrichtigungen — 30 Prozent kommen als ‚Empfänger verzogen‘ zurück

Schwerin. Was als routinemäßiger Verwaltungsakt geplant war, hat sich zur größten demografischen Bestandsaufnahme seit der Wende entwickelt: Bei der Zustellung der Wahlbenachrichtigungen zur OB-Wahl am 12. April sollen nach Angaben aus dem Rathaus knapp ein Drittel aller Briefe als unzustellbar zurückgekommen sein. Der Vermerk auf den Umschlägen: „Empfänger unter der angegebenen Anschrift nicht zu ermitteln.“

Melderegister offenbar zuletzt 2019 aktualisiert

Interims-Oberbürgermeister Bernd Nottebaum soll die Situation als „nicht ungewöhnlich für eine Stadt im dynamischen Wandel“ — eine Formulierung, die auch die städtische Verwaltungs-KI vermutlich nicht besser hinbekommen hätte bezeichnet haben. Eine Sprecherin der Stadtverwaltung erklärte, man habe „lediglich den normalen postalischen Schwund“ festgestellt. Dass dieser Schwund offenbar ganze Straßenzüge im Großen Dreesch und Mueßer Holz betrifft, sei „statistisch erwartbar“ gewesen.

Das Problem liegt offenbar im Melderegister der Stadt. Mehrere tausend Schweriner, die längst in Hamburg, Berlin oder Rostock leben, könnten dort nach wie vor mit ihrer alten Adresse geführt werden. „Wir hatten keine Veranlassung, das Register proaktiv zu bereinigen“, soll ein Mitarbeiter des Einwohnermeldeamts erklärt haben. „Solange die Leute nicht abgemeldet sind, sind sie für uns Schweriner. Das ist gut für die Einwohnerzahl.“

„Ich hab meine Wahlbenachrichtigung in Hamburg bekommen. Nachgeschickt von meiner Oma, die noch in meiner alten Wohnung im Dreesch wohnt. Die Wohnung steht seit 2021 leer, aber die Post kommt noch.“

Kevin M. (28), ehemaliger Schweriner, jetzt UX-Designer in Hamburg-Eimsbüttel

Besonders brisant: Die Deutsche Post soll bereits 2024 darauf hingewiesen haben, dass einzelne Zustellbezirke in Schwerin „wirtschaftlich grenzwertig“ seien, weil die Empfängerdichte unter den Mindeststandard gefallen war. In Teilen von Neu Zippendorf, dem Gegenteil der Schelfstadt, müssten Briefträger mittlerweile für drei zugestellte Briefe 47 leere Briefkästen passieren.

Stadtverwaltung wertet Ergebnis als Erfolg

Die Stadtverwaltung hat die Lage offenbar schnell umgedeutet. In einer angeblichen Pressemitteilung hieß es: „Die erfolgreiche Zustellung von 70 Prozent der Wahlbenachrichtigungen bestätigt die Stabilität des Schweriner Meldewesens.“ Zum Vergleich: Bei der letzten OB-Wahl in Potsdam lag die Zustellquote bei 99,7 Prozent.

Ein Mitglied der Stadtvertretung soll unterdessen vorgeschlagen haben, die unzustellbaren Wahlbenachrichtigungen als „touristische Einladung“ umzufunktionieren. „Vielleicht kommen ja ein paar von denen zum Wählen zurück. Und wenn sie dann sehen, wie schön das Schloss im Frühling aussieht, bleiben sie vielleicht“, so die angebliche Hoffnung. Die Rückkehrquote bei früheren Versuchen dieser Art soll bei exakt null gelegen haben.

Die sieben OB-Kandidaten haben die Situation bislang nicht kommentiert. Vermutlich, weil sie gerade damit beschäftigt sind herauszufinden, wie viele ihrer potenziellen Wähler überhaupt noch in Schwerin leben.

Hinweis: Bei diesem Artikel handelt es sich um Satire. Alle Zitate und Szenarien sind frei erfunden. Aber das Melderegister könnte man vielleicht trotzdem mal aktualisieren.

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