Gesellschaft

Schwerin sagt Ostereiersuche im Schlossgarten ab — zu hohes Verletzungsrisiko für Senioren

Die Stadt Schwerin hat die traditionelle Ostereiersuche im Schlossgarten für dieses Jahr ersatzlos gestrichen. Grund sei laut Stadtverwaltung eine „akute Sturzgefährdungslage“, die angesichts der demografischen Realität nicht mehr verantwortbar sei.

„Wir haben im vergangenen Jahr 14 dokumentierte Fälle gehabt, in denen sich Teilnehmende beim Bücken nach Ostereiern Zerrungen, Prellungen oder Bandscheibenvorfälle zugezogen haben“, erklärte Dezernent für Präventive Immobilität Hartmut Gerlach bei einer Pressekonferenz am Montagmorgen. „Davon waren 13 über 65. Das ist kein Event mehr, das ist ein Massenunfall mit Ansage.“

Durchschnittsalter der Eiersucher: 71,4 Jahre

Eine interne Erhebung des Gesundheitsamtes hatte ergeben, dass das Durchschnittsalter der Teilnehmenden bei der Schlossgarten-Eiersuche zuletzt bei 71,4 Jahren lag. Zum Vergleich: In Leipzig liegt es bei 34. „Aber Leipzig hat ja auch eine Universität“, so Gerlach trocken. In Schwerin habe man stattdessen „eine beeindruckende Dichte an Orthopädie-Praxen“.

Die Stadtverwaltung hatte zunächst Alternativen geprüft. Ein Konzept sah vor, die Eier ausschließlich in Hüfthöhe in Büschen zu platzieren, um das Bücken zu vermeiden. Dieses wurde jedoch verworfen, nachdem ein Testlauf im Lankower Seniorenpark dazu führte, dass drei Teilnehmende versuchten, mit ihren Rollatoren durch die Hecken zu fahren.

„Ich verstehe die Aufregung nicht. Wir haben 300 Ostereier versteckt, und nach zwei Stunden waren noch 287 da. Die Leute kommen nicht mehr runter. Das ist Fakt, nicht Diskriminierung.“

Anja Wittstock, Leiterin der Abteilung Saisonale Veranstaltungen mit reduziertem Ambitionsniveau

Ein alternatives Angebot soll die Eiersuche ersetzen: Ab Karfreitag können Schweriner Bürgerinnen und Bürger im Foyer des Schlosses hart gekochte Eier an einem barrierefreien Tresen abholen. „Stehend, ohne Bückbewegung, mit Handlauf“, betonte Gerlach. Die Ausgabe sei auf maximal vier Eier pro Person begrenzt, um Gedränge zu vermeiden. „Bei vier Personen gleichzeitig ist das Foyer voll.“

Rostock feiert Familienfest mit 3.000 Besuchern

Parallel dazu plant Rostock sein traditionelles Oster-Familienfest im Barnstorfer Wald — mit Hüpfburg, Kinderschminken, Live-Musik und einer Eiersuche für geschätzt 3.000 Besucherinnen und Besucher. „Natürlich haben wir Rostocker Verhältnisse zur Kenntnis genommen“, sagte Gerlach dazu. „Aber dort gibt es auch junge Menschen. Das ist ein anderer Ausgangspunkt.“

Die Schweriner Grünen-Fraktion forderte unterdessen eine „Eiersuche der Zukunft“ — digital, per App, mit GPS-Koordinaten statt echten Eiern. Der Vorschlag wurde in der Stadtvertretung einstimmig vertagt. Begründung: Es müsse zunächst geprüft werden, ob die städtische IT-Infrastruktur eine App mit mehr als sieben gleichzeitigen Nutzern verkrafte.

Ob die Eiersuche 2027 zurückkehrt, ließ die Stadtverwaltung offen. Man wolle zunächst „die demografische Entwicklung abwarten“. Realistisch betrachtet dürfte das bedeuten: noch weniger Teilnehmende, noch höheres Durchschnittsalter, noch mehr Orthopäden. Immerhin: Die 287 übrig gebliebenen Eier vom letzten Jahr liegen vermutlich noch im Schlossgarten. Wer sich traut, kann ja mal nachschauen.

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