Gesellschaft

Schwerin pflanzt Salat in Sitzbänke — Innenstadt wird zum begehbaren Schrebergarten

Schwerin hat ein Problem, das die meisten Städte nicht haben: Zu wenig essbare Möbel. Doch damit ist jetzt Schluss. Die grünen Sitzinseln in der Buschstraße sind so gut angekommen, dass die Stadt ernsthaft darüber nachdenkt, die ganze Innenstadt in einen begehbaren Schrebergarten zu verwandeln.

400 Schweriner wollten mitbestimmen, wie man sitzt und isst

Es begann 2024 mit einer Bürgerumfrage. Über 400 Schweriner gaben ihre Meinung ab, wie neue Sitzgelegenheiten aussehen sollten. Das Ergebnis: Die Schweriner wollen nicht einfach nur sitzen — sie wollen dabei auch naschen. Kreative Namensvorschläge wie „Nasch-Bank“, „Snackinsel“ und „Couch-Salat“ zeigen, wo die Prioritäten liegen. Wer braucht schon ein Restaurant, wenn man direkt auf dem Essen Platz nehmen kann?

„Wir überlegen, wo man diese Möbel noch in der Innenstadt aufbauen kann.“

So Citymanager Stefan Purtz. Und damit meint er nicht die IKEA-Filiale. Die modularen Sitzgelegenheiten mit integrierten Hochbeeten stehen seit Frühjahr 2025 in der Buschstraße und kombinieren Aufenthaltsflächen mit Kräutern, Salat und Beeren. Das Konzept: Hinsetzen, pflücken, essen, weitergehen. Wie ein Drive-through, nur ohne Auto und mit mehr Basilikum.

Vandalismus? Fehlanzeige. Die Schweriner benehmen sich.

Die vielleicht erstaunlichste Nachricht: Kein Vandalismus. In einer Stadt, in der Parkplatzsuche allein schon Aggressionen auslöst, blieben die grünen Möbel komplett unbeschädigt. Ob das an der beruhigenden Wirkung von frischem Basilikum liegt oder daran, dass man schlecht randaliert, wenn man gerade einen Salatkopf erntet — die Wissenschaft schweigt noch.

Entwickelt wurde das Ganze vom Rostocker Designbüro Fint Kollektiv zusammen mit dem Verein „Essbares Schwerin“. Ja, den gibt es wirklich. In Schwerin ist eben alles essbar — außer die Fachkräfteversprechen.

Jetzt prüft die Stadt weitere Standorte. Der Markt, die Mecklenburgstraße, der Alte Stadthafen — überall soll es bald grüne Sitzinseln geben. Wenn das so weitergeht, wird Schwerin die erste Stadt Deutschlands, in der man sich komplett vom Straßenmobiliar ernähren kann. Der Einzelhandel freut sich bestimmt.

Bildquelle: Andriy Babchiy / Unsplash

Quellen: Nordkurier

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