Gesellschaft

Schwerin launcht eigene Stadt-App — Server bricht bei 7 gleichzeitigen Nutzern zusammen

Die Landeshauptstadt Schwerin hat am Freitag mit großem Stolz ihre erste eigene Stadt-App vorgestellt. „SN.digital“ soll Bürgern den Zugang zu Verwaltungsdienstleistungen, Veranstaltungshinweisen und dem ÖPNV-Fahrplan ermöglichen. Der Launch verlief nach Angaben der Stadt „grundsätzlich erfolgreich“, was in Schwerin bedeutet: Die App hat sich mindestens einmal geöffnet.

Allerdings kam es bereits 14 Minuten nach Veröffentlichung zu einem vollständigen Serverausfall. Wie die Stadtverwaltung mitteilte, hätten „unerwartet viele Nutzer gleichzeitig auf die App zugegriffen“. Interne Dokumente, die dieser Redaktion vorliegen, beziffern die Zahl der gleichzeitigen Zugriffe auf exakt sieben.

„Wir waren auf drei bis vier Nutzer vorbereitet“

Der Dezernent für Digitale Transformation und Analogbewahrung, Jens-Torsten Willenbrock, zeigte sich dennoch zuversichtlich. Man habe die Serverkapazitäten bewusst „schweriner Verhältnissen angepasst“ und sei von einer realistischen Nutzerbasis von drei bis vier Personen ausgegangen. Dass sich gleich sieben Schweriner gleichzeitig für eine digitale Dienstleistung interessierten, sei ein „absoluter Ausreißer, der in keiner Prognose vorgesehen war“.

„Sieben gleichzeitige Nutzer — das ist für Schweriner Verhältnisse so etwas wie ein DDoS-Angriff. Wir prüfen rechtliche Schritte.“

Jens-Torsten Willenbrock, Dezernent für Digitale Transformation und Analogbewahrung

Die App wurde laut Pressemitteilung in zweijähriger Entwicklungszeit von einer „lokalen Digitalagentur“ programmiert, die sich als einzige auf die Ausschreibung beworben hatte. Die Entwicklungskosten beliefen sich auf 340.000 Euro, wobei allein 95.000 Euro in ein „umfassendes Sicherheitskonzept“ flossen, das offenbar daraus bestand, die App erst gar niemanden benutzen zu lassen.

Funktion „Nächster Bus“ zeigt Ergebnis von 2019 an

Besonders innovativ ist die integrierte ÖPNV-Funktion. Wer den Button „Nächster Bus“ drückt, erhält zuverlässig einen Fahrplan — allerdings den vom Dezember 2019. Die NVS teilte auf Nachfrage mit, man habe „noch keine Schnittstelle einrichten können“, da der zuständige Sachbearbeiter seit Februar 2024 auf eine Rückmeldung der IT-Abteilung warte.

Die Funktion „Veranstaltungen in Schwerin“ zeigt derzeit ausschließlich die BUGA 2009 an. Ein Stadtsprecher erklärte, dies sei „kein Bug, sondern das letzte Großereignis, das hinterlegt werden konnte“. Man arbeite daran, auch die Schlossfestspiele 2024 einzupflegen.

Für die Behördengänge-Funktion benötigt man laut Nutzern durchschnittlich 47 Klicks, um einen Termin im Bürgeramt zu buchen. Zum Vergleich: Auf dem analogen Weg braucht man nur eine Nummer zu ziehen und 3,5 Stunden zu warten. Die App spart also effektiv 12 Sekunden.

„Ich hab die App runtergeladen und dann ist mein ganzes WLAN abgestürzt. Aber das passiert hier in der Weststadt auch ohne App.“

Anwohnerin aus der Weststadt, 34, die inzwischen wieder Brieftauben in Betracht zieht

Die Stadt kündigte an, den Server bis Mitte April auf eine Kapazität von „bis zu zwölf gleichzeitigen Nutzern“ aufzurüsten. Bis dahin bittet die Verwaltung die Bürger, die App „möglichst einzeln und nach vorheriger Terminabsprache“ zu nutzen. Ein entsprechendes Formular könne im Bürgeramt abgeholt werden — Wartezeit derzeit nur acht Wochen.

Die App „SN.digital“ ist in keinem App Store verfügbar, da die Stadt die Veröffentlichungsgebühr von 25 Euro noch nicht freigegeben hat. Interessierte können die App per Fax unter 0385-DIGITAL anfordern.

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