Sechs Social-Media-Experten aus Schwerin haben offenbar beschlossen, dass die Landeshauptstadt ein Image-Problem hat. Die Lösung: Am 2. Mai sollen Influencer aus ganz Deutschland nach Schwerin gelockt werden. Geplant sind ein Sektempfang auf dem Markt, eine Drei-Seen-Tour, Abendessen im „Pier 7″ und eine Disco, zu der auch normale Schweriner kommen dürfen.
Operation Reichweite: Wenn Schwerin auf den Algorithmus setzt
Man muss die Ambition würdigen. Eine Stadt mit knapp 100.000 Einwohnern, deren aufregendste Sehenswürdigkeit laut Google „Schloss Schwerin (von außen)“ ist, will sich als Lifestyle-Hotspot positionieren. Dafür braucht es offenbar Menschen, die beruflich Dinge in Kameras halten und dabei „Mega!“ sagen.
Sechs Social-Media-Experten aus Schwerin laden am 2. Mai Influencer aus ganz Deutschland zu einem Treffen ein, um die Landeshauptstadt medienwirksam sicht- und erlebbar zu machen.
Das Event soll „das Stadtmarketing stärken“ und Schwerin als „Tourismus-Hotspot“ zeigen. Wer jetzt an das Kraftklub-Konzert denkt, bei dem Schwerin kurzzeitig 7 Prozent Bevölkerungswachstum meldete, weiß: Die Stadt hat Erfahrung damit, vorübergehend interessant zu sein.
Sektempfang, Drei-Seen-Tour, Disco — der volle Schwerin-Flex
Der Ablaufplan liest sich wie ein Klassentreffen mit Förderantrag: Begrüßung mit Sekt auf dem Marktplatz, dann eine Tour über die drei Seen, Abendessen im Restaurant mit Seeblick, anschließend Disco. Man kann nur hoffen, dass die Influencer zwischen Selfie am Pfaffenteich und Story am Ziegelsee noch Zeit finden, die Stadt tatsächlich wahrzunehmen — und nicht nur den Goldenen Winkel ihres iPhone-Bildschirms.
Aber ehrlich: Es ist ein cleverer Zug. Schwerin hat tatsächlich schöne Ecken, nur weiß das außerhalb von MV kaum jemand. Wenn ein paar Reels mit Schloss-Panorama und Zippendorfer Strandhotel-Ruine viral gehen, hat die Stadt mehr Tourismus-PR als das gesamte Marketingbudget der letzten zehn Jahre hergibt.
Die entscheidende Frage bleibt: Was passiert, wenn 50 Influencer gleichzeitig versuchen, in Schwerin ein Café mit gutem WLAN zu finden? Die Telekom schickt schon Klinkenputzer für Glasfaser — vielleicht ahnen sie, was kommt.
Quellen: Ostsee-Zeitung
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