Politik

Schwerin gibt offizielle Reisewarnung für Strecke nach Hamburg heraus

Schwerin. Nachdem der Ersatzverkehr zwischen Schwerin und Hamburg in den vergangenen Wochen wiederholt durch Sicherheitsmängel, mysteriöse Buswechsel und generelle Hoffnungslosigkeit aufgefallen war, hat die Landeshauptstadt am Freitag eine offizielle Reisewarnung für die Strecke herausgegeben.

„Wir können die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger auf dieser Route nicht mehr gewährleisten“, erklärte Pressesprecher Jens-Torsten Willhöft bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz im Schweriner Schloss. „Wer Hamburg erreichen möchte, sei es per Autobahn ins Nirgendwo oder per Ersatzbus,, sollte sich vorher von seinen Angehörigen verabschieden und ein Testament aufsetzen.“

Busse mit Sicherheitsmängeln als „Abenteuerreise“ umdeklariert

Hintergrund der drastischen Maßnahme: Seit der Sperrung der Bahnstrecke Hamburg-Berlin für die Generalsanierung fallen sämtliche RE1-Verbindungen von Hamburg über Hagenow nach Schwerin aus. Der eingesetzte Ersatzverkehr sorgte zuletzt für Schlagzeilen, als Busse mit Sicherheitsmängeln auf die Strecke geschickt wurden. Anfang März wurden die Fahrzeuge nach massiver Kritik ausgetauscht, dann die Ersatzbusse der Ersatzbusse wieder durch andere Ersatzbusse ersetzt.

Selbst Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sprach von einer „Zumutung“. In Schwerin interpretierte man das als Kompliment. „Dass die Ministerpräsidentin überhaupt weiß, dass Schwerin existiert, ist doch schon mal was“, so ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung, der anonym bleiben möchte.

„Ich bin letzte Woche in Schwerin losgefahren und drei Tage später in Hamburg-Harburg angekommen. Mein Bus wurde unterwegs zweimal getauscht, einmal gegen einen Schulbus und einmal gegen etwas, das früher mal ein Reisebus gewesen sein könnte.“

Torsten K. (54), Pendler aus Schwerin, der mittlerweile eine Decke und Notproviant im Rucksack mitführt

Stadt erwägt „Ankunftsvisum“ für Hamburg-Rückkehrer

Das Dezernat für Mobilitätsresignation, eine eigens gegründete Abteilung der Stadtverwaltung, arbeite bereits an weiterführenden Maßnahmen. Unter anderem sei ein „Ankunftsvisum“ für Schweriner in Planung, die es tatsächlich bis Hamburg schaffen. „Wer diese Strecke überlebt, hat sich eine offizielle Urkunde verdient“, so Dezernentin Frauke Möllendorf-Hasselbach.

Zudem prüfe die Stadt die Einrichtung eines „Emotionalen Abreisebereichs“ am Hauptbahnhof, in dem sich Reisende vor der Fahrt psychologisch betreuen lassen können. Erste Gespräche mit der Diakonie seien bereits geführt worden.

Derweil nehmen die Schweriner die Lage mit der ihnen eigenen Gelassenheit hin. Am Hauptbahnhof wurde eine improvisierte Pinnwand eingerichtet, an der Überlebende des Ersatzverkehrs ihre Erfahrungsberichte hinterlassen können. Der bislang populärste Eintrag: „Bin in Hagenow umgestiegen. Bus kam nie. Lebe jetzt hier.“

Wer kein Auto hat, kennt das Gefühl bereits vom regulären Nahverkehr. Die Deutsche Bahn teilte auf Anfrage mit, die Sanierung werde „planmäßig“ verlaufen. In Schwerin löste das Wort „planmäßig“ im Zusammenhang mit der Deutschen Bahn Heiterkeit bis in die Abendstunden aus.

Hinweis: Dies ist ein satirischer Artikel. Alle Personen und Zitate sind frei erfunden. Die Reisewarnung existiert leider nicht, die Zustände im Ersatzverkehr hingegen schon.

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