Schwerin — Die Landeshauptstadt greift durch: Ab dem 1. Mai 2026 wird für jedes Foto des Schweriner Schlosses eine Gebühr von 2,50 Euro fällig. Die Einnahmen sollen zweckgebunden in den Bau einer zweiten Sehenswürdigkeit fließen — damit Touristen künftig einen Grund haben, länger als zweieinhalb Stunden zu bleiben.
„Wir haben ausgerechnet, dass jährlich rund 340.000 Fotos unseres Schlosses entstehen“, erklärte Interims-OB Bernd Nottebaum bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz im Plenarsaal. „Davon werden 280.000 sofort auf Instagram gepostet — mit dem Hashtag #SchwerinUndTschüss. Das können wir als Landeshauptstadt nicht länger hinnehmen.“
Dezernent für Verweilzeitoptimierung eingesetzt
Die neue Foto-Gebühr soll über ein Kamerasystem am Schlossufer erfasst werden. Wer sein Smartphone in Richtung Schloss hebt, erhält automatisch eine Rechnung per QR-Code. Für Selfies mit dem Schloss im Hintergrund gilt ein Aufpreis von 1,50 Euro — „weil die noch mehr Bandbreite auf den sozialen Medien beanspruchen“, so Nottebaum.
Eigens für das Projekt wurde die Stelle eines „Dezernenten für Verweilzeitoptimierung und touristische Zweitanlaufpunkte“ geschaffen. Der Posten wurde mit Hartmut Drewes besetzt, einem pensionierten Verkehrsplaner, der zuletzt die Ampelschaltung am Marienplatz betreute — und damit nachweislich Erfahrung darin hat, Menschen zum Stehenbleiben zu bringen.
„Unser Ziel ist es, dass Touristen in Schwerin mindestens vier Stunden verbringen. Aktuell schaffen die meisten in zweieinhalb Stunden die komplette Stadt — inklusive Mittagspause, Schloss und existenzieller Krise.“
Hartmut Drewes, Dezernent für Verweilzeitoptimierung
Was genau die zweite Sehenswürdigkeit werden soll, steht noch nicht fest. Ein interfraktioneller Arbeitskreis wurde gegründet, der bis 2029 erste Vorschläge erarbeiten soll. Bisher diskutierte Optionen: eine begehbare Nachbildung des Schlosses auf der anderen Seeseite, ein Museum für gescheiterte Stadtentwicklungsprojekte oder — besonders beliebt in der CDU-Fraktion — ein zweites, kleineres Schloss.
Bürger reagieren verhalten optimistisch
Erste Reaktionen fielen gemischt aus. „Ich finde es gut, dass die Stadt endlich zugibt, dass wir nur eine Sehenswürdigkeit haben“, sagte ein Rentner am Pfaffenteich, der seinen Namen nicht nennen wollte, aber seit 40 Jahren dort sitzt und somit selbst als Wahrzeichen durchgehen könnte.
Die Tourismuszentrale Schwerin begrüßte die Maßnahme grundsätzlich. „Wir haben seit Jahren das Problem, dass unsere Gästeführungen nach 45 Minuten organisch enden, weil es nichts mehr zu zeigen gibt“, räumte eine Sprecherin ein. Bislang habe man die Touren mit ausgedehnten Pausen am Pfaffenteich gestreckt — „aber die Leute merken irgendwann, dass wir einfach nur im Kreis laufen.“
Ein Vertreter der lokalen Gastronomie zeigte sich hingegen skeptisch: „Wenn die Touristen wirklich vier Stunden bleiben, müssten wir nach 21 Uhr öffnen. Das hat hier zuletzt 2004 jemand versucht — er wurde wahnsinnig.“
Die Schlossfoto-Gebühr tritt voraussichtlich zum 1. Mai in Kraft. Für Schweriner Einwohner soll es eine Flatrate von 49,90 Euro pro Jahr geben — laut Stadtverwaltung ein „faires Angebot, wenn man bedenkt, dass man das Schloss ohnehin jeden Tag sieht, ob man will oder nicht.“
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