Schwerin – Im verzweifelten Kampf gegen die schrumpfende Einwohnerzahl hat die Stadtverwaltung am Dienstag ein bundesweit einmaliges Modell vorgestellt: das Schweriner Einwohner-Abo. Wer künftig in der Landeshauptstadt gemeldet bleibt, erhält monatlich einen Gratiskaffee am Pfaffenteich und Vorrang bei der Vergabe von Straßenbahnstehplätzen. Wer hingegen wegzieht, wird zur Kasse gebeten.
„Wir haben uns das Prinzip der Mobilfunkverträge abgeschaut“, erklärte Sven-Olaf Dremmler, Dezernent für Bevölkerungsbindung und proaktive Resignation. „Zwei Jahre Mindestlaufzeit, automatische Verlängerung, und wer vor Vertragsende kündigt, zahlt 500 Euro Abwanderungsgebühr.“ Die Idee sei bei einer Dienstberatung entstanden, als jemand fragte, warum es einfacher sei, aus Schwerin wegzuziehen als aus einem Fitnessstudio-Vertrag rauszukommen.
Goldener Tarif: Zwei Quadratmeter Schrebergarten inklusive
Das Abo gibt es in drei Stufen. Der Basis-Tarif (kostenlos) beinhaltet die reguläre Meldebescheinigung und das Recht, bei Stadtvertretungssitzungen im Publikum zu schlafen. Der Komfort-Tarif (9,99 Euro/Monat) bietet einen reservierten Sitzplatz in der Straßenbahnlinie 1 sowie eine personalisierte Grußkarte des Interims-Oberbürgermeisters zum Geburtstag. Der Goldene Tarif (29,99 Euro/Monat) enthält zusätzlich zwei Quadratmeter Schrebergarten in Lankow und einen Gutschein für das Kressmann-Kaufhaus — einlösbar in der Strumpfabteilung.
„Ich hab das Abo sofort abgeschlossen. Bei meiner Rente von 1.100 Euro kann ich mir den Wegzug nach Hamburg eh nicht leisten — da kann ich auch gleich Premium-Schweriner sein.“
Helga W. (73), Goldene Abonnentin aus Mueßer Holz
Besonders kreativ ist die Kündigungsklausel: Wer Schwerin verlassen will, muss zunächst ein 14-seitiges Formular ausfüllen, einen persönlichen Termin im Bürgeramt vereinbaren (aktuelle Wartezeit: sieben Wochen) und ein „Exit-Interview“ mit der Beauftragten für Abwanderungsprävention absolvieren. In dem Gespräch wird gefragt, ob man es sich nicht doch noch einmal überlegen wolle — schließlich gebe es bald WLAN am Hauptbahnhof.
Zielmarke: 100.000 Einwohner bis 2030
Hintergrund des Programms ist die seit Jahrzehnten schmerzhafte Bevölkerungsentwicklung. Von einst 130.000 Einwohnern sind noch 98.308 übrig — und damit bleibt Schwerin die einzige Landeshauptstadt Deutschlands ohne Großstadt-Status. „Jeder Mensch zählt“, so Dremmler. „Buchstäblich. Wir brauchen exakt 1.692 Leute, und dann sind wir Großstadt. Das Abo-Modell könnte der Durchbruch sein.“
Auf die Frage, ob man nicht stattdessen die Lebensbedingungen verbessern könnte — etwa besseren ÖPNV, schnelleres Internet oder Arbeitsplätze für unter 65-Jährige — antwortete Dremmler mit einem milden Lächeln: „Wir haben uns für den realistischeren Weg entschieden.“
Erste Reaktionen aus der Bevölkerung fielen gemischt aus. Ein 24-Jähriger, der nächste Woche nach Hamburg zieht, kommentierte: „500 Euro Abwanderungsgebühr? Immer noch billiger als ein Jahr Straßenbahn-Monatskarte.“ Die Stadtverwaltung prüft derzeit, ob man die Gebühr auf 2.000 Euro erhöhen kann.
Das Einwohner-Abo ist ab dem 1. Mai im Bürgeramt erhältlich. Voraussetzung: Man muss die offizielle Sperrstunde akzeptieren — sofern man einen Termin bekommt.
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